Hilft Beten?

O ja, Beten hilft. Sogar Mediziner sehen das seit einiger Zeit so. Dale Matthews zum Beispiel, Professor an der Georgetown University in den USA, nennt Beten die „Arzttasche Gottes", die die Heilung von Krankheiten beschleunigt.

Die Mehrzahl der wissenschaftlichen Studien zu diesem Thema haben inzwischen die positiven Effekte religiösen Lebens bestätigt. Und bei unserer chrismon-Umfrage gaben 70 Prozent der Befragten an, sie glaubten, dass Gebete etwas bewirkten ­ entweder psychologisch oder durch ein tatsächliches Eingreifen Gottes oder beides (Heft 11/2000).

Die meisten Befragten betonten jedoch die rein psychologische Wirkung des Gebets auf das Gemüt des Beters.

Doch was helfen diese Erkenntnisse dem, der verzweifelt für die eigene Heilung oder die eines anderen Menschen bittet? Was gewinne ich, wenn ich um die Nützlichkeit des Betens weiß ­ und doch nicht bekomme, wofür ich gebetet habe?

Gebete gen Himmel

Und wie viele gläubige, zornige, flehende Gebete sind im 20. Jahrhundert gen Himmel gestiegen, Gebete für Frieden zwischen den Völkern ­ und doch hat kein Jahrhundert mehr Kriegstote und Ermordete gesehen als das vergangene? Nein, Beten hilft nicht.

Zumindest nicht so, wie wir uns das oft wünschen. Wer danach fragt, ob Beten hilft, hat eine bestimmte Art des Gebets im Sinn: die Bitte, die an Gott gerichtet ist ­ oder an einen Gott. Andernfalls macht die Frage keinen Sinn.

Ohne Adressat bleibt das Beten ein Selbstgespräch, für das es von Kritikern ohnehin gehalten wird. Dennoch steht und fällt jede Religion mit dem Gebet ihrer Gläubigen. Beten, also das persönliche oder gemeinschaftliche Anrufen von Gott, Göttern oder des „Transzendenten", ist der Grundakt jeder Religion.

Und das Bittgebet ist seit Jahrtausenden die Urform dieses Gottesumgangs: „Bitte, lieber Gott, gib mir dies oder das, mach dies und jenes." Mehr Regen oder mehr Sonne, Schutz vor Feinden oder am besten gleich deren Tod, die Frau oder den Mann fürs Leben, Gesundheit, Reichtum oder zumindest Hilfe aus der Armut, manchmal auch Weisheit, Liebe, Geduld. Selbst um Glauben beten Menschen.

Abermilliarden von Bitten

Die Ergebnisse dieser Milliarden und Abermilliarden von Bitten sind ­ vorsichtig ausgedrückt ­ mehrdeutig. Der eine bekommt, um was er halbherzig und ohne großen Glauben gebetet hat, der andere nichts, auch wenn er mit tiefer Inbrunst und Frömmigkeit zu Gott gerufen hat.

Der Apostel Paulus bat drei Mal darum, von seinem „Pfahl im Fleisch" geheilt zu werden ­ und erhielt als Antwort: „Lass dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig" (2. Korintherbrief 12,7­9). Von Jesus ist überliefert: Er flehte darum, dass Gott ihm den Leidensweg zum Kreuz erspare (Lukas 22,42). Auch hier entsprach die Antwort nicht den Erwartungen.

Christen weisen gern darauf hin, dass es beim Beten vor allem um die Anerkennung von Gottes Willen geht. So verband Jesus seine Bitte um Errettung mit dem Zusatz: „Doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe."

Und in jenem Gebet, das Jesus seine Jünger lehrte, dem Vaterunser, heißt es: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden" (Matthäus 6,10). Eigentlich eine wasserdichte Sache, sollte man meinen: Wenn der Beter um das bittet, was Gott ohnehin geben will, dann kriegt er's. Sonst nicht.

Die leichtere Hälfte der Wahrheit

Aber das ist nur die halbe Wahrheit ­ und zwar jene Hälfte, die am einfachsten zu akzeptieren ist. Wer immer schon Gottes mögliche Ablehnung bei den eigenen Gebeten erwartet, wer seinen Glauben durch möglichst abstrakte Bitten gegen Enttäuschungen immunisiert, mag so seine persönliche Religion retten. Ein Glauben, der sich vorbehaltlos anvertraut, ist das nicht.

Beten fängt dort an, wo man ist, und nicht dort, wo man gern sein möchte. Beter sollen ihre konkreten Anliegen vor Gott bringen, in all ihrer Naivität und Menschlichkeit.

Wer sich Sorgen um seinen Arbeitsplatz macht, darf das vorbringen ­ und muss nicht zuerst den Weltfrieden erflehen. Als Jesus den blinden Bettler Bartimäus fragte: „Was willst du?", antwortete dieser: „Ich will sehen können" (Markus 10, 46­52). Alles andere war Bartimäus egal. Nicht sehr sozial von ihm, aber sehr echt.

Enttäuschungen erleben

Sicher, es gibt andere Arten des Gebets als das Bitten, Gebetsformen, die weniger Schwierigkeiten machen, zum Beispiel die Anbetung Gottes, das Loben oder das Dankesagen. Aber gerade die konkrete persönliche Bitte macht den Glauben an einen „himmlischen Vater" authentisch.

Hier erlebt der Betende auch Enttäuschungen. Die gibt es in jeder echten Beziehung, wenn Wünsche nicht in Erfüllung gehen. Gott ist keine Maschine, bei der man nur den richtigen Knopf drücken muss, um zu bekommen, was man will. Und Gebet hat nichts mit Zaubersprüchen und Magie zu tun ­ aber viel mit Vertrauen.

So wie es nie einen empirischen Beweis dafür geben wird, dass ein Mensch einem anderen Gutes getan hat, nur weil dieser ihn darum gebeten hat (es könnten 100 andere Gründe den Ausschlag gegeben haben!), so wird es auch nie möglich sein nachzuweisen, dass „Beten hilft". Beten ist Vertrauenssache. Eine Haltung, auf die man sich einlassen kann. Oder nicht.

Axel Reimann

Kurt E. Sievers
am 4. September 2007 um 16:22
Hilft Beten?
Dass Beten hilft, kann man ganz eindeutig bejahen UND beweisen; denn als Jesus im Garten Getsemaneh zu seinem Vater betete, erfüllte er, trotz Bedenken, den Willen seines und unseres Vaters. Was für ein Glück für uns.
Eines ist allerdings noch sehr wichtig: "Unser Gott ist ein mächtiger Geist; und die ihn anbeten wollen, müssen vom Geist der Wahrheit von NEUEM geboren sein."
Noch klarer kann es nicht mehr dargebracht werden.
LXP
am 26. September 2007 um 12:53
Jakubus 5,16b Viel vermag eines Gerechten Gebet in seiner Wirkung. 17 Elia war ein Mensch von gleichen Gemütsbewegungen wie wir; und er betete inständig, dass es nicht regnen möge, und es regnete nicht auf der Erde drei Jahre und sechs Monate. 18 Und wieder betete er, und der Himmel gab Regen, und die Erde brachte ihre Frucht hervor.
Kurt E. Sievers
am 11. Januar 2008 um 18:18
Hilft Beten?
Ein kleinwenig mehr darf es aber sein:
Jakobus 5:16: "Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist".
Da darf ich LXP zustimmen.
Gelobt sei der Name unseres Herrn.
Ben Kalenol
am 15. Januar 2008 um 18:43
Hallo Kurt
Es ist immer wieder erbaulich mitzubekommen, dass es noch Leute in intakten Gemeinden gibt, die nicht zum Arzt müssen, weil sie im Krankheitsfall zu ihren Ältesten gehen. Zu Ältesten die solche Glaubensgebete sprechen. Welch Gnade!
meli
am 9. März 2008 um 19:56
Diese Frage kann ich eindeutig mit Ja beantworten. Ich habe schon viel in meinem Leben gebet und die meisten meiner gebete wurden Erhört. wenn sie nicht erhört wurden gabe es sicher einen grund von gott dafür. Manchmal werden gebete auch anders erhört alls man denkt aber Gott weiß was das besste für uns ist er fürt alles zu einem Guten Ende. Einmal habe ich ein Gebet für meinen Vater gesprochen er hatte schlimme Depressionen und Gott hatte mein Gebet erhört heute gehet es ihm wieder blendent. In diesem Sinne Gott segne euch
Liebe Grüße
Günter Otto von Deyen
am 26. Juli 2009 um 10:27
Miteinander reden ist die Grundvoraussetzung für eine funktionierende Beziehung. In der Ehe ist Reden Befreiung und Schweigen Verzweiflung.
Unser christliches Beziehungsleben ist im Grunde genommen dauerndes Gebet. „Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlaß und seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Je-sus an euch.“ 1.Thess. 5,17 Das ist die Ermunterung des Paulus an uns, wenn das Gespräch aufs Gebet gelenkt wird.
Es ist offensichtlich: unser Ich, unsere ganze Per-sönlichkeit, diese unergründliche, gottebenbildliche Wirklichkeit, manifestiert sich im Reden; im mitein-ander sprechen. Unser Leben ist ein ununterbrochenes Gerede das nicht aufhört. Auch das Träumen, als das Reden des Schlafes das unser Dasein mit ausmacht, gehört dazu. Auch unsere fleischlichen Bedürfnisse und unsere sexuellen Regungen, unser Handeln und Leiden, begleiten uns als eine fortwährende hohe Rede. Aber Obacht: Jegliches Sprechen muß auf jemanden bezogen sein, einer der zuhört und versteht muß in der Nähe sein, sonst verliert alle Rede ihren Sinn. Und letztendlich kann uns nur Gott verstehen. Unsere Mitmenschen der Bruder, die Schwester immer nur dann, wenn sie zeitweilig als Werkzeug Gottes dienen.
In jedem unserer Gedanken, philosophischer oder banaler Natur; dichterische oder hochgeistliche Schöpfung, wir mögen vergängliches aussprechen oder Geschichte formen mit dem was wir aussprechen oder niederschreiben, immer ist gewollt oder nicht gewollt, letztendlich als Ziel Gott angesprochen. Das wahrnehmbare, vordergründige Gegenüber nimmt dabei, bildlich gesprochen, immer nur den Platz eines Feldstechers ein, den wir zwar anschauen aber zwingend durchschauen müssen, um das Fernziel ins Auge fassen zu können.
Marita Merling
am 24. Januar 2010 um 10:19
Ich glaube von ganzem Herzen, das Beten
hilft. Weil ich bei meiner Arbeit als
Besprecherin ein Uraltes Familienmantra
in Verbindung mit Beten nutze,und die
Erfolge für sich sprechen. Auch kann ich
den Satz, "beten fängt da an, wo man ist
und nicht da wo man hin will" nur bestätigen.
Der Mensch braucht immer Kraft und Willen,
allem gegenüber, nur Gott gegenüber nicht, in den
bei ihm kann er sich einfach fallenlassen
und sich vertrauensvoll seinem Willen
unterstellen,
ohne unterwürfig zu sein, denn Gott
wertet nicht, und darum sind wir immer dann
frei, wenn wir uns an ihn wenden.Frei von
Urteilen, die nur wir Menschen immer wieder über uns fällen, um uns klein zu halten, damit wir
bloß nicht so groß und (all)mächtig
werden, wie wir eigentlich schon sind.
Gott hat uns gewollt,sonst gäbe es uns
nicht, und Gott macht keine Fehler, in
unserer Natur und Umwelt funktioniert alles
aufs feinste.Indem wir bewerten, werten wir alles nur ab. Das Beste (unsere natürliche Umgebung)
kann man nicht verbessern. Aufwertung ist
nicht mehr möglich. Nichts hat einen Wert,
und wenn
man keine Wertmaßstäbe setzt, braucht man
diesen auch nicht mehr zum glücklich
sein.Andererseits ist dann auch nichts mehr
wertlos,natürlich auch nicht das Gebet.
In Gott können wir uns so vertrauensvoll
zurücklehnen, weil er uns nicht bewertet.Er
läßt uns sein, und das gute,daß was in die
Natur und unsere Welt paßt, wird ewig sein,
und das zerstörerische Kranke, das Leben
krankmachende wird einfach vergehen, und
das reicht um die Lebendigkeit des Seins
für ewig zu erhalten.Ich bete gern, weil
ich nur bei Gott "ich" sein darf,der kennt
mich und es ist ihm egal wie doof ich bin.
Ich sende wertfreie, bedingungsfreie Liebe an euch alle. Danke daß ich dieses Forum gefunden
habe. Freu mich, daß es sowas gibt.

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