Ist die Bibel zu grausam für Kinder?

Ein äußerst blutrünstiges Buch, das Hass, Grausamkeiten und Massenmorde als gottgewollte Verhaltensweise empfehle - so sei die Bibel. Mit dieser Begründung reichte im vergangenen Jahr ein Rechtsanwalt beim Berliner Verwaltungsgericht Klage ein. Er wollte gerichtlich erzwingen, dass die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften die Bibel auf den Index setzt.

Die Bibel - ein Horrortrip für Kinder? Das Gericht wies die Klage zurück. Begründung: Die Bibel sei ein kulturgeschichtliches Dokument.

Tatsächlich bestimmt die Bibel bis heute unser ethisches Empfinden, auch das der Religionsverweigerer. Nächstenliebe, gleiches Recht für alle, individuelle Menschenwürde - solche Grundsätze mögen wir für universell erachten, doch sie gelten nicht überall auf der Welt.

Schon die prominenteste Geschichte des Christentums, die Leidensgeschichte Jesu (Markus 14-15), ist voller Grausamkeit. Sie beschreibt, wie Soldaten einen unschuldigen Menschen grausam zu Tode foltern.

Und doch ist sie die älteste Erzählung, in der das Sterben eines zu Unrecht Verurteilten derart in den Mittelpunkt rückt. In welcher der Verurteilte die ungeteilte Sympathie des Erzählers genießt.

Kollektive Psyche

Die Leidensgeschichte Jesu wirkt bis heute auf unsere kollektive Psyche. Sie hat unsere Kultur geprägt: etwa dass wir uns in das Leid anderer hineinversetzen und sie nicht für ihr Unglück verachten oder verspotten. Wer seinen Kindern die Passionsgeschichte erzählt, teilt dieses Erbe auch mit ihnen.

Biblische Geschichten schreiben nicht vor, wie man sich verhalten soll. Sie sind zu Mythen verdichtete Lebensgeschichte. Zum Beispiel die Geschichte von David und Goliath. (1. Samuel 17) Der junge David besucht seine älteren Brüder im Krieg.

Im Lager gegenüber baut sich der Kraftprotz Goliath auf. Er jagt Davids Brüdern und deren Soldatenkollegen Angst ein. David lässt sich nicht einschüchtern. Mit einer Steinschleuder tritt er vor den Riesen und besiegt ihn. Die Geschichte endet brutal. David schlägt Goliath mit dessen Schwert den Kopf ab.

Die Pointe dieser Geschichte liegt nicht im grausamen Schluss. Erwachsene dürfen sie nicht auf die brutale Szene reduzieren. Dann kommt auch kein Kind auf die Idee, mit einer Steinschleuder gegen den nächsten Kraftprotz anzutreten.

Kinder verstehen die Geschichte von David und Goliath als Mut-mach-Geschichte. In ihr ist der Kleine der Held. Und der behauptet sich gegenüber dem Großen. „David und Goliath" ist eine Metapher, ebenso wie „Star Wars" und „Jurassic Parc".

Sie ist keine Anleitung für den Alltag, sondern hat auf andere Weise etwas mit unserer Wirklichkeit zu tun.

Die Bibel ist ein Geschichtenbuch, kein Geschichtsbuch. Geschichten können auf einer wahren Begebenheit beruhen, müssen es aber nicht. Sie sind wie ein Spiegel. Sie reflektieren unsere Verhaltensweisen, geheimen Wünsche und Gefühlslagen.

Eindeutige Bilder

Sie verschaffen uns einen Einblick in unsere eigenen Abgründe. Etwa wenn Kain seinen Bruder Abel aus Eifersucht ermordet. (1. Mose 4) Oder wenn Petrus seinen Freund Jesus verleugnet, obwohl der sich gerade in größter Gefahr befindet. (Markus 14, 66-72)

Die Bibel macht Katastrophen, Gräueltaten und menschliches Versagen zum Thema. Das ist nicht ihre Schwäche, sondern ihre Stärke. Bibelgeschichten können Kindern Orientierung geben. Sie geben ihnen einfache Deutungen an die Hand. Eindeutige Bilder, welche die Grenze zwischen Gut und Böse nicht verwischen.

Der böse König Herodes stellt dem Jesuskind nach. (Matthäus 2, 13-18) Herodes fürchtet sich vor Konkurrenten. Er weiß, dass Jesus später ein großer König wird, glaubt, Jesus werde ihm den Thron streitig machen. Deshalb will er ihn töten.

Herodes weiß jedoch nicht, in welchem Haus Jesus und seine Eltern wohnen. So fasst er den Plan, alle Kinder von Bethlehem umzubringen. Die Geschichte endet mit einem sinnlosen Massaker. Sie stellt aber auch klar: Der Mörderkönig lehnt sich gegen Gott auf. Und Gott sorgt dafür, dass Jesus mit seinen Eltern entkommt.

Bibelgeschichten sind keine Gute-Nacht-Geschichten. Sie beruhigen nicht, sondern wühlen auf. Wer Kindern Bibelgeschichten erzählt, sollte sich Zeit nehmen, mit ihnen darüber zu reden. In der Sintflutgeschichte (1. Mose 6-9) lässt Gott die böse Welt untergehen. Noahs Familie rettet sich mit den Tieren auf einem Schiff.

Kinder fragen: Warum bauen sich die bösen Menschen keine Schiffe? Darf ich auf das Schiff kommen, wenn ich etwas Böses getan habe? Die Fragen sind so hart wie Fragen über die Wirklichkeit. Eltern müssen sich ihnen stellen.

Der Fokus der Geschichte liegt woanders. Sie erzählt von einer Rettung in auswegloser Lage. Nach der Sintflut verspricht Gott, dass er niemals mehr mit Vernichtung strafen will. Wenn Menschen heute so umkommen, ist das gegen Gottes Willen.

Burkhard Weitz

Ben Kalenol
am 5. Juli 2007 um 20:19
//Nach der Sintflut verspricht Gott, dass er niemals mehr mit Vernichtung strafen will//
Da ist ein Fehler:
1Mo 9,11 Und ich errichte meinen Bund mit euch; und nicht mehr soll alles Fleisch ausgerottet werden durch die Wasser der Flut, und keine Flut soll mehr sein, die Erde zu verderben.
In diesem Bund verspricht Gott nicht, dass er keine Vernichtung bringen wird. Er garantiert aber, dass keine Vernichtung durch Wasser kommen wird.
Aber durch Feuer:
Offb 8,7 Und der erste posaunte: und es kam Hagel und Feuer, mit Blut vermischt, und wurde auf die Erde geworfen. Und der dritte Teil der Erde verbrannte, und der dritte Teil der Bäume verbrannte, und alles grüne Gras verbrannte.
Usw...
Kurt E. Sievers
am 10. Juli 2007 um 22:09
Ist die Bibel zu grausam für Kinder?
Ist der Bericht des Massakers im Irak zu grausam?
Die belgischen Blauhelme der UN fuhren einfach ab, als die Schwarzen um Hilfe baten, vor den anrückenden, mordenden Horden im Sudan, und wo auch immer.
Antwort: Befehl ist Befehl.
Der helgoländische Bürgermeister, auf die Frage, ob er es richtig fände, dass die Engländer nach Kriegsende Helgoland weiterhin bombardierten:
Die taten nur ihre Pflicht.
Lea Rosh über die Deutschen: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.
Inzwischen scheint er weitergezogen zu sein.
Grausamkeiten liegen immer im Auge des Betrachters.
Zugegeben, liest sich das Buch der Richter im Alten Testament,wie eine Anweisung zum Töten auf dem Schlachthof.
Aber Menschen sind eben grausam; ganz besonders zu den Schwächeren.
Der Berliner Anwalt hätte nur einmal auf den Schulhof gehen sollen; dann hätte, seiner Ansicht folgend, die Schule schliessen müssen.
Deswegen hat Jesus zu seinen Jüngern auch gesagt:
<< Ich gebe euch meinen Frieden, nicht den Frieden der Welt. >>
Jasmin Savic
am 29. September 2007 um 18:18
Also ich bin eine Zeugin Jehovas.Und eure Fragen sind so sinnlos. Zum beispiel: ist die Bibl zu grausamm für Kinder!
Denkt einmal nach, fragt euch was ist der Sinn des Lebens.und nicht was ich morgen anziehe,esse,trinke sondern stützt euch auf das was in der bibel steht!!!Lebt nach Gottes Grundsetzen und verachtet nicht andauernd den Namen gottes .SEIN NAME IST JEHOVA.!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!
Ben Kalenol
am 29. Oktober 2007 um 15:11
Hallo Jasmin Savic
Dafür, dass du zur Rasselbande gehörst, bist du genauso Teil Babels wie auch die Lutheraner. Du hast ja hoffentlich keine Schuhe an und wartest in Jerusalem?
m. stitz
am 10. Mai 2008 um 19:58
Die hier genannten Gewalttaten wurden übrigens von der von Ihnen berichteten Initiative nicht erwähnt stattdessen etwa folgende Stellen:
Da redete MOse mit dem Volk und sprach: Rüsete unter euch Leute zum Kampf gegen die Midianiter, die die Richte des Herrn an den Midianitern vollstrecken... und sie zogen aus zum Kampf gegen die Midianiter, wie der Herr es Mose geboten hatte, und töteten alles, was männlich war; samt den Erschlagenen töteten sie auch die Könige der Midianiter...und die Kinder Israels nahmen gefangen die Frauen der Midianiter und ihre Kinder. All ihr Vieh, all ihre HAbe und alle ihre Güter raubten sie und verbrannten mit Feuer alle ihre Städte, wo sie wohnten und alle ihre Zeltdörfer...
Und Mose wurde zornig über die Hauptleute des Heeres und sprach zu ihnen: Warum habt ihr alle Frauen leben lassen? so tötet nun alles, was männlich ist unter den Kindern und alle Frauen, die nicht mehr Jungfrauen sind. aber alle Mädchen, die unberührt sind, die lasst für euch leben (4 Mose 31, 1 ff)
oder:
Wenn ein Mann oder eine Frau Geister beschören oder deuten kann, so sollen sie des Todes sterben; man soll sie steinigen; ihre Blutschuld komme über sie (3 Mose 20,27)
bzw
Und wenn jemand vermessen handeln würde, dass er dem Priester nicht gehorcht, der dort im Dienst des Herrn, deines Gottes steht, oder dem Richter, der soll sterben
(5 Mose 17,12)
Jasmin Savic
am 16. September 2009 um 16:11
was soll das heißen ich habe hoffentlich keine schuhe an und warte in jerusalem ??

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