Was fangen wir mit unserer Zeit an?
Wir sprechen über die Zeit oft so, als wäre sie unser Guthaben. Wir wollen unsere Zeit erschöpfend nutzen. Sie bis zur letzten Minute auskosten. Sie nicht mit nutzlosen Dingen vergeuden.
Wir verhalten uns, als wäre die Zeit ein Kapital, das wir vergrößern oder vermehren können. Wir berechnen unser Zeitkontingent, um unsere Zeit optimal einzusetzen. Wir folgen den Ratschlägen von Zeitmanagern, um Zeit zu sparen oder Zeit zu gewinnen.
Doch selbst wer seine Zeit geschickt einteilt, merkt irgendwann, dass er nicht mehr Zeit hat als andere. Lediglich sein Zeitplan ist gedrängter als der seiner Mitmenschen.
Denn eines kann auch die geschickteste Zeitplanung nicht bewirken: das Gefühl, die eigene Lebenszeit sinnvoll auszufüllen. Erfüllte Zeit ist keine Frage des Kalenders, sondern der Übereinstimmung mit sich selbst. In einem erfüllten Leben geht es nicht darum, wie viel man getan oder erreicht hat. Es geht darum, ob man mit sich über sein Tun ins Reine kommt.
Das Bemühen um eine erfüllte Lebenszeit ist ein großes Thema in allen Weltreligionen. Und die sind sich über eines einig: Der Mensch kann nicht über die Zeit verfügen, als wäre sie sein Besitz.
Nur ein Leben
Er kann sein Leben nicht so führen, als hätte er ein zweites zur Verfügung. Der Mensch ist sterblich, unwiderruflich. Deshalb hadert er mit sich wegen verpasster Chancen oder fürchtet, etwas Wichtiges zu versäumen. Am Gefühl, dass die eigene Lebenszeit sinnlos verstreicht, kann ein Mensch zugrunde gehen.
Um das Wesen der Zeit zu beschreiben, bedienen sich die Religionen unterschiedlicher Metaphern. Östliche Religionen wie der Hinduismus und der Buddhismus vergleichen die Zeit mit einem Rad, das sich dreht und stets an seinen Ausgangspunkt zurückkehrt.
Wie die Natur im Wechsel der Jahreszeiten abstirbt und wieder erblüht, so ist auch der Wechsel der Generationen geprägt von Geburt, Sterben und Wiedergeburt. Kurz: Der Mensch gilt als winziges Teilchen am großen Rad der Zeit. Um ein erfülltes Leben zu führen, muss sich der Einzelne den Ordnungen des Lebens fügen oder ganz aus ihnen ausbrechen und Asket werden.
Die jüdisch-christliche Tradition vergleicht die Zeit mit einer Einbahnstraße. Die Straße hat einen Anfang, die Schöpfung. Und sie läuft auf ein Ende zu, das Jüngste Gericht. Dazwischen bewegt sich alles in eine Richtung.
Albdruck der Endlichkeit
Es gibt kein Zurück. Die Landschaft wechselt ständig. Weiterziehen heißt Abschied nehmen. „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn's hoch kommt, so sind's achtzig Jahre", sagt der 90. Psalm und ergänzt: „Was daran köstlich scheint, ist doch nur vergebliche Mühe; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon."
Auf dieser Straße zieht der Einzelne nur eine kurze Wegstrecke mit. Trotzdem überblickt er mehr als die Strecke, die er selbst zurückgelegt hat. Seine Eltern und Lehrer erzählen ihm, was ihn mit früheren Generationen verbindet. So hat der Einzelne eine Geschichte. Er weiß, wo seine Wurzeln liegen.
Später reicht er dieses Wissen an die nachfolgende Generation weiter. Das Gefühl, Teil einer Generationen übergreifenden Gemeinschaft zu sein, kann den Einzelnen vom Albdruck der Endlichkeit entlasten. Vor allem das Judentum gilt als Religion des Erinnerns. Juden gedenken in allen Festen des Jahreszyklus der Geschichte des Volkes Israel.
„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden", fährt der 90. Psalm fort. Weil die Lebenszeit des Menschen begrenzt ist, gewinnt das Jetzt an Gewicht: die Trauer über einen Abschied, die Freude über eine Überraschung, der Zorn über Ungerechtigkeit oder die Liebe zu einem anderen Menschen.
Leidenschaftlicher Gott
Judentum und Christentum sind leidenschaftliche Religionen, ihr Gott ist ein leidenschaftlicher Gott. Für erfüllt halten sie ein Leben, das alle Höhen und Tiefen ausgekostet hat. Deshalb ist auch die Schuld ein wichtiges Thema des Christentums.
Der Einzelne muss sich dem Unrecht, das er getan hat, stellen. Er kann es nicht rückgängig machen, noch kann er in einem späteren Leben bei null anfangen. Er ist darauf angewiesen, dass ihm seine Schuld vergeben wird. Von anderen Menschen oder von Gott.
Eines Menschen Lebenszeit ist etwas Einzigartiges und Unverwechselbares. Der Einzelne ist keine Kopie seiner Eltern und niemandes Reinkarnation. Das Gleiche gilt für die Weltzeit. Sie ist nach christlicher Auffassung etwas Einmaliges. Davor und danach ist Ewigkeit, die Aufhebung der Zeit.
Auch unsere christliche Zeitrechnung geht davon aus, dass die Weltzeit endlich ist. Sie beginnt mit dem Geburtsjahr Jesu. Da Christen an Jesu Auferstehung glauben, zählen sie sein Alter auch über seinen Tod hinaus.
Sie zählen die Weltzeit wie Lebensjahre eines Menschen. So erinnern Christen daran, dass jeder ihrer Augenblicke unendlich wertvoll ist. Genau wie ein Menschenleben.
Burkhard Weitz

Kommentare: 3
"Meine Zeit steht in Gottes Händen, nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in Dir", soviel zu dem, der meine Zeit bestimmt.
"Esst, trinkt und seid fröhlich, ihr seid auf den Weg ohne Umkehr", soviel, wie ich meine Zeit verbringen soll.
Doch Gott darf ich alle Ehre geben, ihm dienen, ehren und loben, und Sonntags im Gottesdienst auftanken, was für ein erfülltes Leben.
In der Schrift steht: << Tut, was Gott gefällt, ohne Wenn und Aber >>, genau das ist, was ich tun werde.
Aber dann erschien die Herrlichkeit Gottes in meinem Leben. In meiner Dunkelheit (und das ist wo er die Meisten von uns findet) hat er mich gefunden.Zwar brauchte Er mich nicht wie viele zum Thron zerren, aber ich habe mich gewehrt. Es ist schon so wie er in Jesaja 1:18 berichtet. Der Gott des Universums will mit mir verhandeln.
JETZT kann ich anderen im ganzen Land von meinem Heiland und Retter erzählen. Er hat mir sogar viel, sehr viel Zeit gegeben dazu.
Danke Herr für deine Liebe und Treue. Aber am Meisten danke ich Dir für meine Rettung !!!