Was passiert bei der Taufe?
Gerührt seufzt ein Herr in der letzten Kirchenbank. Vorn hält gerade die Patentante das Köpfchen des Säuglings über den Taufstein. Der Pfarrer schöpft mit der hohlen Hand Wasser aus der Schale und lässt es dreimal über die Babyhaare träufeln.
Er sagt: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes." Die Gottesdienstbesucher recken ihre Hälse, Fotoapparate klicken, Blitzlichter leuchten auf. Taufe im Jahr 2001 - ein archaischer Ritus in moderner Umgebung.
Die Taufe ist ein paar Jahre älter als das Christentum. Als Erster taufte ein jüdischer Prophet namens Johannes. Er glaubte, das Weltende sei nahe. Deshalb rief er seine Zeitgenossen zur Umkehr auf.
Mit einem Bad im heiligen Fluss Jordan, sollten sie sich für das bevorstehende Gericht Gottes reinigen. Reinigungsrituale wie jene, mit denen sich Muslime heute noch auf ihr Gebet vorbereiten, waren den damaligen Juden wohl bekannt. Das Neue an der „Taufe" war, dass sie für alle Zeit gelten sollte. Auch Jesus ließ sich von Johannes taufen.
Obwohl Jesus selbst niemanden getauft hat, galt die Taufe von Anfang an als zentrales christliches Symbol. Die ersten Christen haben es verändert aus der religiösen Tradition übernommen. Während Johannes mit seiner Taufe alte Sünden abwaschen wollte, empfängt der Täufling nach christlichem Verständnis auch einen neuen Geist.
Adam ersäufen
So prägte der Reformator Martin Luther (1483-1546) das drastische Wort, in der Taufe werde täglich unser alter Adam ersäuft. Luther meint damit, dass ein Mensch zwar nur einmal in seinem Leben getauft wird, dass sich aber das, worauf die Taufe hinweist, täglich wiederholt.
Mit dem alten Adam bezeichnete Luther zerstörerische Kräfte, die den Menschen in die Enge treiben, ihm den Lebensmut und die Orientierung rauben.
Der alte Adam wird ersäuft, um neuem Leben Raum zu schaffen. Luther hatte ganz alltägliche Erfahrungen im Sinn: Jemand findet plötzlich einen Ausweg aus einer Sackgasse. Er ist stark in einer Situation, die eigentlich zum Verzweifeln ist. In ihm wächst eine Kraft, von der er nicht weiß, woher sie eigentlich kommt.
Nach evangelischem Verständnis kommt die Lebenskraft von Gott, der jeden Menschen, ob getauft oder ungetauft, bejaht und bedingungslos akzeptiert. Die Taufe macht das Ja Gottes sichtbar. Dieses Ja kann Menschen zu Optimisten machen, ihnen ein großes Zutrauen schenken.
Die Taufe ist wie viele religiöse Symbole vielschichtig. Wie ein Kristall, in dem sich die Lichtstahlen je nach Einfallswinkel unterschiedlich brechen, ist die Taufe offen für neue Interpretationen. So haben die ersten Christen die Taufe als Versiegelung gegen die Angriffe böser Mächte verstanden.
Nichts kann dir die Seele rauben
Das ist eine schöne Vorstellung, weil sie den einzelnen Christen ermutigt: Nichts kann dir deine Seele rauben. Gottes heilende Kraft ist immer stärker als die des Teufels, egal was passiert.
Später hat man diesen Gedanken weitergesponnen: Wenn die Taufe ein Kind gegen Dämonen schützt, fällt das ungetaufte Kind den Dämonen in die Hände. Diese Schlussfolgerung hat viel Angst verbreitet. Noch bis in die fünfziger Jahre war es vielerorts üblich, Kinder unmittelbar nach der Geburt zu taufen - aus Angst, der Teufel könne die Seele des Kindes rauben.
Solch ein Umgang mit der Taufe verdreht ihr eigentliches Anliegen und macht sie zu einem Symbol der Angst statt der Hoffnung.
In den ersten Jahrhunderten hieß es auch: Nach der Taufe dürfen Christen nicht mehr sündigen, sonst sei die Taufe völlig umsonst. Als das Christentum im vierten Jahrhundert Staatsreligion wurde, traten sehr viele Menschen der Kirche bei.
Aus Angst, sie könnten dem hohen moralischen Anspruch der Taufe nicht gerecht werden, ließen sich die meisten erst kurz vor dem Tode taufen. Bald war die Taufe am Ende des Lebens allgemeiner Brauch. Sicher ist sicher. Auch Kaiser Konstantin, der erste Christ auf dem römischen Kaiserthron ließ sich erst auf dem Sterbebett taufen.
Zwar ist es nie zu spät, sich taufen zu lassen. Doch die Taufe gehört an den Anfang eines Lebens, nicht an dessen Ende. Und so begann die Kirche ab dem fünften Jahrhundert zu predigen, dass die Taufe ein Geschenk des Himmels sei.
Um dies zu unterstreichen, ist es seither in den meisten christlichen Kirchen üblich, Säuglinge zu taufen. Von Säuglingen kann man noch nichts fordern, wohl aber kann man sie beschenken.
Burkhard Weitz

Kommentare: 2
Wobei das nicht immer zeitgleich geschehen muss. Wichtig ist die innere Umkehr zu Gott und der Glaube. Ohne Umkehr und Glaube ist die Taufe mit Wasser ein bloßes Ritual und hat keine Kraft.
Sehr gut geasgt Thomas.
Der Täufling, so wie Jesus.
Nicht der Säugling. Ein Säugling versteht garnichts, der Täufling allerdings versteht.
APG 18: 7-8 .... sie kamen zum Glauben bevor der Taufe (nur Erwachsenen können das).
Natrlich nur einmal getauft, wie Jesus. Das ist biblische Theologie.
Nicht nur tröpfeln, das ist menschliche Theologie.
Alles was die Taufe zeigt äußerlich was innerlich passiert ist, so wie Luther es beschreibt:
"Der alte Adam wird ersäuft, um neuem Leben Raum zu schaffen. Luther hatte ganz alltägliche Erfahrungen im Sinn: Jemand findet plötzlich einen Ausweg aus einer Sackgasse. Er ist stark in einer Situation, die eigentlich zum Verzweifeln ist. In ihm wächst eine Kraft, von der er nicht weiß, woher sie eigentlich kommt"
Genauso ist es Martin Luther: "In ihm wächst eine Kraft" Römer 6: 3-4.
Siehe all die Erwachsenen.... APG 8:29-37, 10:47, 16:30-33, 18:7-8 u.s.w.
Säuglinge werden nicht getauft sondern dem Gott geweiht ! Lukas 2:27
DAS macht ihn aber kein Christ. Das von NEUEM geborene kommt später.
Dann erst wird Römer 5:1 und 8:1 wahr.