Wie wurde Jesus zum Heiland?

Eines ist sicher. Nach Jesu Tod erkannten die Jünger in ihrem Lehrer den Heiland. Ob er das auch schon zu Lebzeiten war oder nicht, ist Glaubenssache. Mit wissenschaftlichen Argumenten kann man das nicht entscheiden.

"Euch ist heute der Heiland geboren", sagt der Engel den Hirten, so steht es im Lukasevangelium. Demnach wurde Jesus bereits zu seiner Geburt als Heiland ausgerufen. Ob sich die Geburt Jesu so zugetragen hat oder ob alles doch ganz anders war, das kann niemand mit letzter Sicherheit entscheiden.

Bibelwissenschaftler verweisen die Weihnachtsgeschichten in das Reich der Legende. Auch als gläubige Christen halten sie die Szene mit den Hirten und dem Engel für eine literarische Fiktion.

Sie deuten die Weihnachtsgeschichte als Lehrstück, in dem die ersten Christen von ihrem Glauben erzählen. Und weil die Hirten, die ersten Zeugen der Ankunft des Heilands, damals zu den Ärmsten des Volkes zählten, folgern sie aus der Weihnachtsgeschichte: Jesus kam als Armer unter Armen zur Welt.

Zum Heiland wurde er erst später

Als ein soziales Lehrstück mag die Weihnachtsgeschichte einiges von ihrem Glanz verlieren. Doch sie verliert nichts von ihrer Gültigkeit. Gehen wir einmal davon aus, keiner habe bei Jesu Geburt geahnt, dass dieses Kind eines Tages von seinen Anhängern als Heilsbringer verehrt würde.

Und auch in den folgenden Jahrzehnten, zu Lebzeiten Jesu, habe niemand den Mann aus Galiläa für den Heiland gehalten (auch das behaupten viele Bibelwissenschaftler). Gehen wir einmal von dem aus, was als wissenschaftlich gesichert gilt.

Jesus wuchs in Nazareth auf. Mit etwa 30 Jahren trat er als jüdischer Prophet, als Lehrer und Heiler auf. Seine Anhänger waren einfache Leute: Bauern, Fischer, kleine Steuereintreiber.

Irgendwann griffen ihn römische Soldaten als Rädelsführer eines vermeintlichen Aufstandes auf. Jesus kam vor Gericht, wurde verurteilt und starb den Tod eines überführten Rebellen: am Kreuz. Damit hätte dieses Kapitel abgeschlossen sein können. Ein Prophet hatte sein Leben ausgehaucht. Seine Anhänger waren verstreut.

Als am dritten Tag nach Jesu Kreuzigung Frauen an sein Grab kamen, berichten die Evangelien, war es leer. Von nun an heißt es, Jesus sei von den Toten auferstanden. Ob das stimmt, lässt sich wiederum nicht beweisen.

Plötzlich beteten sie

Das Erste, was sicher über die Anfänge des Christentums bekannt ist: Plötzlich waren Menschen überzeugt, dass Jesus lebt und seine Lehre weitergeht. Sie beteten zu ihm als Herrn und als Gottes Sohn.

Dass man ausgerechnet Jesus von Nazareth für den Heiland hielt, darin liegt die eigentliche Revolution des Christentums. Obwohl er äußerlich keine messianische Figur abgab, ja sogar am Kreuz umkam, nannten ihn die Jünger "Christus". Das ist die griechische Übersetzung des hebräischen Wortes "Messias", Gesalbter.

So, wie der Messias dem Volk Israel in der jüdischen Bibel, dem "Alten Testament", angekündigt wird, hätte er ein später Nachfahre des legendären Königs David sein müssen. Als überlegener Herrscher hätte er die politische Unabhängigkeit Israels wiederhergestellt und die römischen Besatzer vertrieben.

Doch stattdessen predigte Jesus Frieden und dass man seine Feinde lieben soll. Als klassischer Messias hätte Jesus für die Einhaltung der religiösen Gesetze sorgen müssen.

Stattdessen verstieß er gegen biblisches Gesetz und behauptete, der Sabbat sei für den Menschen da und nicht umgekehrt. Aus traditioneller Sicht war Jesus eher ein Antimessias.

Die Jünger waren sich trotzdem sicher: Gott selbst hat durch Jesus gesprochen, nicht durch einen mächtigen gesalbten König, sondern durch einen Propheten, der am Kreuz geendet war.

Er kam in Armut

Den Messias Jesus zeichnete seine Schwäche aus, nicht seine äußerliche Stärke. Diese Umkehrung der Werte haben die Jünger von Jesus übernommen. Der hatte gelehrt: Der Mensch dient Gott, wenn er sich Menschen zuwendet, denen es an Selbstvertrauen gebricht und denen Selbstgerechtigkeit fern liegt.

Auch die Weihnachtsgeschichten schildern Jesus als schwachen Messias. Ihnen zufolge ist Jesus in Bethlehem als Spross des Königs David geboren und entsprach daher den äußeren Anforderungen für einen

Messias. Aber er kam in Armut zur Welt. Nicht der Hofstaat des Herodes oder fromme Priester waren bei seiner Geburt zugegen, sondern arme Hirten und heidnische Sterndeuter, die "Weisen aus dem Morgenlande".

Wenn Christen bekennen, Jesus ist der Heiland, widersprechen sie allen Gesetzen des äußerlichen Erfolgs. Sie halten dagegen: Der Wert eines Menschenlebens ist nicht an Erfolg und Einfluss zu messen. Gott offenbart sich in den Armen, Schwachen und Hilfslosen. Jesus, der Heiland, hat das Gesetz der Stärkeren überwunden.

Burkhard Weitz

Hermann
am 11. Februar 2010 um 14:58
hier sind ja scheinbar die fundamentalisten unterwegs...
es macht NIEMALS sinn, einzelne bibelstellen in einer weise zu präsentieren, um andere gläubige in die richtung der eigenen angst zu zwingen.
hurerei mit ausserehelichem sex gleichzusetzen ist falsch! hurerei bezieht sich auf die bewusste hingabe des eigenen körpers zur befriedigung eines anderen evtl.auf der basis eines austauschgeschäftes. wenn schon, dann passt dazu eher der weit dehnbare begriff der unzucht, der dem vorehelichen sex übergestülpt wird. beim verbot des tötens werden demgegenüber missverständnisse vermieden und klare worte gewählt. aber wie auch immer - genauso gut könnte ich eine bibelstelle zitieren, die da sagt "alles ist erlaubt, aber nicht alles dient zum guten" und schon wären alle argumente wieder hinfällig ;-) beim thema sex kommt immer gleich die panik hoch, dabei soll es doch spass machen. es wird gerne übersehen, dass die gebote FÜR den menschen gedacht sind, z.b. um die soziale ordnung und ein friedliches zusammenleben zu ermöglichen. wenn ich ständig mit der frau meines nächsten ins bett steige, dann ist ein zusammenleben auf dauer nicht mehr möglich. verbindlich sind meiner ansicht nach die 10 gebote, alles weitergehende ist als empfehlung für den menschen gedacht. dass man sein herz nicht an sex hängen sollte und dieses geschenk gottes nicht an erster stelle setzen sollte macht natürlich sinn. gott will uns mit seinem geschenk sicher nicht quälen. wenn wir uns daran nicht erfreuen sollten bzw. es nur um vermehrung gehen würde, dann würde man(n) wohl kaum wöchentlich eine meist wiederkehrende lust verspüren, denn das würde zum "fruchtbarkeits-timing" der frau absolut nicht passen und evolutionstheorien wollen wir ja hier nicht einbeziehen. ein ähnliches problem haben wir bei den gemeinden, die den alkohol strikt ablehnen, obwohl jesus auf der hochzeit wasser in wein und nicht in cola verwandelt hat. und dann wäre da noch der zeitliche kontext der bibel, der oftmals übersehen wird. wenn ich die bibel wortwörtlich nehmen würde, dann dürfte ich meine tochter in die sklaverei verkaufen, mit keiner frau in kontakt treten wenn sie sich im zustand menstrualer unreinheit befindet, alle menschen töten die samstags arbeiten, keine schalentiere essen, mit sehschwäche nicht zum altar gehen, meinen bart nicht stutzen, kein fussball spielen (da ich dabei die tote haut berühre), keine 2 verschiedenen saaten auf einem bauernhof säen etc. es sind zwar größtenteils beispiele aus dem AT, aber dadurch wird auch der zeitliche kontext deutlich. da die menschen nunmal wie barbaren gelebt haben, war das damalige gesetz "auge um auge, zahn um zahn" in der hinsicht schon fortschrittlich, dass die eigene gegenaggression auf den vorherigen verlust begrenzt wurde.
wenn ich als mann bei gegenseitiger freiwilligkeit mit meiner freundin schlafe ohne trauschein und ohne nötigung, dann wüsste ich nicht, was dagegen spricht. die soziale ordnung bleibt erhalten, und niemandem wird geschadet. so what?? und bitte keine verteufelungs- und verderbnisgeschichten an dieser stelle als antwort - danke!
und ebenso bitte keine bibelzitate mehr, denn wie ich ja schon zitierte "alles ist erlaubt...". diese hin- und herzitiererei ist nicht nur nervig, sondern geht auch am eigentlichen vorbei! man sollte sich um eine persönliche beziehung zu jesus kümmern, mehr gibt es nicht zu tun, so einfach! wer mit der bibel angst verbreiten will, ist auf dem falschen weg! gott hat mir auch einen verstand gegeben. es ist wie mit einem guten wein - man kann ihn geniessen, sollte sich aber davon nicht abhängig machen, denn wenn wir abhängig sind, dann sind wir nicht frei, sondern gebunden. und gott will uns zur freiheit führen! und UNTER BESTIMMTEN UMSTÄNDEN KANN(!) sex dabei ein stolperstein sein. für diese erkenntnis brauche ich kein gegenseitiges abwiegen von widersprüchlichen bibelzitaten. wenn ich fundamentalistisch an die bibel rangehe, dann müsste meine freundin beim beten in der kirche auch wieder ein kopftuch tragen...
in diesem sinne, sowohl im oberen als auch im unteren bereich ganz entspannt bleiben, heute abend mal ein fläschchen wein öffnen und den partner verwöhnen...und dabei das geniessen nicht vergessen ;-)
PS: bitte keine kirchlich-moralischen drohenden sitten-bekehrungs-mails. danke!
PPS: die zusammenfassung der bibel: *Jesus loves you* :-)
mongo oma
am 11. Februar 2010 um 17:50
Nicht nur muslimisch, sondern auch christlich geprägte Staaten tun sich mit Todesurteilen und Exekutionen unrühmlich hervor. Das biblische Tötungsverbot hat sich noch keineswegs durchgesetzt.
Es war der erste Tag des muslimischen Opferfestes. Am 30. Dezember 2006, morgens um sechs Uhr, starb Saddam Hussein durch den Strang. Bekleidet mit einem weißen Hemd und einem schwarzen Mantel, an den Händen gefesselt, trat der 69-Jährige sehenden Auges vor den Galgen. Der irakische Ex-Diktator war umgeben von maskierten Männern. Die legten ihm zuerst ein schwarzes Tuch um den Hals, dann die Schlinge. „Er starb sofort", sagte später ein irakischer Regierungsvertreter. „Er zitterte nicht. Er wirkte ruhig und gefasst."
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und der Vatikan kritisierten Todesurteil und Exekution. Der Vatikan verurteilte, dass „ein Verbrechen mit einem anderen Verbrechen bestraft" werde. Der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber, betonte, „die Todesstrafe sei keine angemessene Form staatlichen Strafhandelns". Zum Rechtsstaat gehöre der Verzicht auf die Todesstrafe. Deutliche Kritik kam auch von Amnesty International wie auch vom Europarat, der die Exekution als „grausam und barbarisch" bezeichnete.
Tatsache ist: Auch christlich geprägte Staaten verhängen Todesurteile und lassen exekutieren. Schließlich waren es amerikanische Sicherheitskräfte, die Saddam Hussein kurz vor der Exekution an die irakischen Behörden übergaben, wohl wissend, was ihn erwartete. Und es war der amerikanische Präsident George W. Bush, der sich bisweilen als geläuterten Christen bezeichnet, der die Exekution als Meilenstein auf dem Weg zu einem demokratischen Irak bezeichnete.
Das aus den Zehn Geboten der Bibel bekannte Tötungsverbot hat sich also keineswegs durchgesetzt, auch nicht unter Christen. Im Jahr 2005 entfielen 94 Prozent aller Hinrichtungen weltweit auf vier Staaten: China, Iran, Saudi-Arabien und USA. Es wurden mindestens 2148 Menschen in 22 Staaten hingerichtet. An der Spitze stand zwar China mit mindestens 1770 Exekutionen. Doch in amerikanischen Todestrakten sitzen 3400 Menschen und warten auf die Hinrichtung. 1999 war dort ein Jahr mit besonders vielen Exekutionen: fast 100.
Anders als die Kirchen Europas sind jene in Amerika in ihrer Einstellung zur Todesstrafe gespalten. Während zum Beispiel die meisten evangelikalen Christen rechtskonservativ sind und mehrheitlich für die Todesstrafe eintreten, haben die römisch-katholische und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Amerika (ELKA) die Todesstrafe geächtet. Bemerkenswert aber auch: Der katholische Weltkatechismus von 1992 rückt erst seit seiner Neuauflage von 2003 deutlicher von der Todesstrafe ab. Diese war übrigens erst im Jahr 1969 im Vatikanstaat per Gesetz abgeschafft, 2001 auch aus dessen Verfassung gestrichen worden. Das war schon lange überfällig, war doch das letzte Todesurteil im Kirchenstaat im Jahr 1870 vollstreckt worden.
Die überwiegende Mehrheit der christlichen Kirchen benennt heute gleich mehrere Gründe, warum Todesurteil und Exekution nicht zu rechtfertigen sind. Unmittelbar einleuchtend ist dieses Argument: Eine Exekution kann nicht revidiert werden. Urteile können aber Fehlurteile sein, wie das seinerzeit viel diskutierte Urteil im Verfahren gegen Anthony Porter aus dem amerikanischen Bundesstaat Illinois, bei dem die Aufdeckung falscher „Beweise" und skrupelloser Prozessabsprachen dazu führte, dass er nach 16 Jahren Haft im März 1999 als Unschuldiger aus der Todeszelle entlassen werden musste.
Eine Exekution verschließt dem Delinquenten außerdem jede Möglichkeit, Reue zu üben, den angerichteten Schaden wiedergutzumachen und sein Leben neu zu beginnen. Das christliche Menschenbild geht immer von der Möglichkeit aus, dass sich Menschen positiv verändern.
Schließlich: In Judentum und Christentum gilt jeder Mensch als Abbild Gottes. Jeder Einzelne hat einen unersetzlichen Wert. Das ist auch der Grund, weshalb die katholischen Bischöfe Amerikas die Todesstrafe als eine Gotteslästerung verstehen: eine Beleidigung dessen, der die Menschen geschaffen hat.
Normalerweise gedenken Muslime am Opferfest der Rettung eines Menschenlebens. Es geht um die aus der Bibel bekannte Geschichte Abrahams. Er war dabei, seinen Sohn auf dem Altar zu opfern. Aufgrund von Gottes Einspruch ließ er ihn leben. Ein solches Verhalten gegenüber Saddam wäre wahrlich eine große Geste gewesen.

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