Brauchen Christen das Alte Testament?
Der Mann am Pult geriet mehr und mehr in Rage: Eine Unverschämtheit, dass man sich heute noch Texte aus dem Alten Testament anhören müsse. Die deutsche Kirche solle sich freimachen vom „Alten Testament mit seiner jüdischen Lohnmoral und mit seinen Viehhändler- und Zuhältergeschichten", geiferte der Redner. Zehntausend Zuhörer im Berliner Sportpalast klatschten Beifall.
Die Rede von Reinhold Krause, einem Funktionär der NS-nahen „Deutschen Christen", am 13. November 1933, war der traurige Tiefpunkt einer langen Geschichte von christlichen Vorurteilen gegenüber dem Alten Testament.
Immer wieder gab und gibt es heute noch Menschen, die glauben: Ein angeblicher Rachegott des Alten Testaments fordere die strikte Einhaltung seiner Gesetze. Der liebende Gott des Neuen Testaments dagegen sei zugewandt und nachsichtig.
Diese einfache Gegenübersetzung ist ein schlimmes Fehlurteil, denn Gott wird in beiden Teilen der Bibel als gleich leidenschaftlich beschrieben: als einer, der grundlos Menschen liebt. So heißt es im 5. Buch Mose 7, 7 über Israel: „Nicht hat euch Gott angenommen und erwählt, weil ihr größer wärt als alle Völker, sondern weil er euch geliebt hat." Andererseits herrscht im Neuen Testament nicht nur Sanftmut vor. So fordert Jesus in der Bergpredigt: „Wer seinem Bruder sagt: Du Narr!, der ist des höllischen Feuers schuldig!" (Matthäus 5, 22)
Auch das für Christen so wichtige Gebot der Nächstenliebe steht schon im Alten Testament. Im 3. Buch Mose 19, 18 heißt es wörtlich: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst", jener Satz, den Jesus im Gleichnis vom barmherzigen Samariter aufgreift (Lukas 10). Die schematische Gegenüberstellung von Rache- und Liebesgott ist also falsch.
Was Reinhold Krause und seine Vorläufer nicht bedachten: Mit dem Alten Testament müssten die Christen auch das Neue Testament über Bord werfen, denn es würde seinen Grund und Bezugspunkt verlieren. Das Matthäusevangelium beginnt mit einem Stammbaum Jesu, der sich von Adam und Eva über David und die Könige Israels herleitet.
Jesus selbst verstand sich als gläubiger Jude. Oft zitiert er das Alte Testament und legt es aus: „Ihr sollt nicht meinen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen", sagt Jesus in der Bergpredigt. (Matthäus 5, 17)
Übereinstimmend berichten alle vier Evangelien, dass Jesus noch am Kreuz den 22. Psalm betete: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" Und der Hebräerbrief beginnt programmatisch: „Nachdem Gott vorzeiten vielfach und auf vielerlei Weise geredet hat zu den Vätern durch die Propheten, hat er in diesen letzten Tagen zu uns geredet durch den Sohn." Die Beispiele zeigen, dass das Neue Testament mit dem Alten unauflöslich verbunden ist.
Über diese innerbiblischen Bezüge hinaus bildet das Alte Testament die kulturelle Grundlage der Christenheit. Kindergottesdienste ohne Schöpfungsgeschichte, ohne Jona im Bauch des Wales, ohne Joseph und seine Brüder und ohne Abraham wären auf Dauer triste Veranstaltungen.
Ein Christentum ohne tröstende Psalmen wie „Der Herr ist mein Hirte" (Psalm 23) und ohne die aufrüttelnden Predigten der Propheten ist unvorstellbar. Mehr noch, es wäre geradezu absurd. Denn wenn Christen nicht wüssten, dass die alttestamentlichen Propheten einen Messias, einen Heilsbringer ankündigten, könnten sie heute mit Jesus, dem Christus (hebräisch: Messias), gar nichts anfangen.
Entscheidend ist und bleibt aber die Einheit und unverbrüchliche Identität Gottes in beiden Teilen der Bibel: Altes und Neues Testament handeln von ein und demselben Gott. Diese Verbindung hebt schon der Apostel Paulus hervor. Er mahnt im Römerbrief (Kapitel 9) die jungen christlichen Gemeinden: „Nicht du trägst die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich." Mit „Wurzel" meinte Paulus das Judentum und seine Heilige Schrift, das Alte Testament.
Wenn Reinhold Krause seine Forderung durchgesetzt hätte, das Alte Testament abzuschaffen, wäre das Christentum nicht nur seiner Vorgeschichte beraubt, sondern auch seiner Existenzgrundlage. Juden und Christen haben mit dem Alten Testament einen großen Teil der Heiligen Schrift gemeinsam. An dieser Wahrheit kommen Christen nur um den Preis der Selbstaufgabe und der Barbarei vorbei.
Reinhard Mawick

Kommentare: 4
Dabei muss man erst einmal klären, was Christen sind! Handelt es sich um "Namens-Christen", die an den Papst oder Schlangen oder etwas anderes glauben, oder etwa um wiedergeborene Christen, die dem Wort unseres Heilandes vertrauen; die also von Neuem geboren wurden und ihr "Heil" in Jesus und der Heiligen Schrift finden?
Zum Alten Testament gehörte auch das alte Gesetz.
Das Alte Testament ist hilfreich, um das Neue Testament zu verstehen;.B. : Jesaja 7:14 = "Deshalb wird der Herr euch von sich aus ein Zeichen geben: Die junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den wird sie Immanuel (Gott steht uns bei) nennen." Oder Jesaja 9:6= "Seine Macht wird weit reichen, und dauerhafter Frieden wird einkehren. Er wird auf dem Throne Davids regieren, und seine Herrschaft wird für immer Bestand haben, weil er sich an die Rechtsordnungen Gottes hält. Gott, der Herr der ganzen Welt, hat es so beschlossen und wird es tun."
Wir brauchen allerdings nicht das alte Gesetz zu befolgen, denn mit Jesus kam ja der Sohn Gottes in die Welt, und alle die ihm vertrauen, werden gerettet werden, so steht es geschrieben.
Der Gott, der alleine weise ist, den wir durch unseren Herrn Jesus Christus kennen, sei gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen
Nun zu Ihrem Beitrag Herr Mawick:
Gleich der erste Absatz zeigt ja schon, dass es gestern, heute und auch morgen Leute geben wird, die sich gegen Gott auflehnen:
Für die, diee verloren gehen, muss die Nachricht vom Kreuzestod als barer Unsinn erscheinen; so steht es in der Schrift.
Was meinen Sie, wo Reinhold Krause landen wird? Im Himmel oder in der Hölle?
JEDER von uns kennt die Antwort!!!
Ansonsten ein gelungener Beitrag.
Gepriesen sei der Gott Abrahams, Isaak und Jakobs.
Lasst mich hier ein Beispiel geben, wie z.B. das Alte Testament mit dem Neuen Testament zusammenhängt:
Im 1. Mose, Kapitel 22, Vers 1 - 19, geht es darum, dass Gott Abraham auf die Probe stellt, indem er von ihm fordert, dass er seinen Sohn Isaaks opfert. Noch während der Opferganges griff ein Engel ein und forderte den sofortigen Stopp von Abraham, der auch gehorsam war. Abraham hatte vorher zu seinem Sohn,, der gefragt hatte, wo denn das zu opfernde Lamm wäre, gesagt: "Gott wird schon für ein Opferlamm sorgen!" Nachdem der Engel die Opferung abrupt gestoppt hatte, sah Abraham Jesus - in der Bibel mit einem Opferlamm beschrieben - in Form eines Schafbocks, der anstelle seines Sohnes geopfert wurde.
Im Neuen Testament im Johannesbrief, 8. Kapitel, Vers 56, sagt Jesus darum zu den Zuhörern: "Euer Vater Abraham freute sich darüber, dass er mein Kommen erleben sollte. Er erlebte es und war glücklich!"
Man muss die Bibel einfach nur verstehen, doch dafür müssen dem Leser, -wie die Schrift es schon richtig formuliert- die Augen geöffnet werden.
Wie? Noch Fragen?
Antworten aus Deutschland: kurt.sievers@freenet.de oder aus USA: juergen@escapees.com
Denn Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.
Das stimmt nicht. Nur Markus und Matthäus berichten es, nicht aber Lukas und Johannes.