Ist Glaube ein Psychotrick?

Es war nur eine Kleinigkeit, welche die Chefin an ihrer Arbeit auszusetzen hatte. Dennoch reichte eine Bemerkung, um die 23 Jahre jüngere Angestellte rasend zu machen. Wütend knallte die junge Frau ihre Unterlagen auf den Tisch und verließ den Raum. Die Kollegen blickten verdutzt auf. Als jähzornig hatten sie ihre Kollegin noch nie erlebt.

Es gab noch einige ähnlich unangenehme Szenen, bevor die Angestellte ihren Job verlor. Erst Jahre später dämmerte der jungen Frau, was sie gegen die Chefin so aufgebracht hatte: Es war deren Ähnlichkeit mit der Mutter. Gegen deren bevormundende Art hatte die junge Frau eine tiefe Aversion entwickelt, die sie später auf die Chefin übertrug.

Übertragungen sind was ganz Normales. Jeder Mensch projiziert Erfahrungen aus früheren Begegnungen auf andere Menschen - negative wie positive. Das hilft ihm, in unübersichtlichen Situationen angemessen zu reagieren.

Natürlich stimmen frühere Erfahrungen nicht ganz mit der jetzigen Realität überein. Um unangenehme Verwicklungen zu vermeiden, muss man daher sein Bild ständig korrigieren. Das fällt manchmal schwer, denn Übertragungen bieten auch Sicherheit.

Kindheitserfahrungen kann man nicht nur auf andere Menschen übertragen, sondern auch auf Gott. Der Mensch kann nicht anders, als in irdischen Beziehungsbegriffen zu denken. Ist der christliche Glaube mehr als eine solche Übertragung?

Trost gegen Verzweiflung?

Oder reden sich Christen die Existenz eines liebenden Gottes bloß ein, damit sie sich in Momenten der Einsamkeit und Verzweiflung getröstet fühlen? Ist der Glaube also bloß ein Psychotrick zur inneren Aufrichtung des Menschen? Ein eingebildetes Seil, das dem Menschen in der Verzweiflung Halt gibt?

Kein gläubiger Christ wird Gott für ein seelisches Hilfskonstrukt halten. Man kann nicht einem Gott vertrauen, den man für etwas Eingeredetes hält. Wer so glaubt, nimmt seinen Glauben nicht ernst.

Im Notfall erginge es ihm wie dem Bergsteiger, der Sicherheit bekommt, indem er sich vorstellt, er hänge am Kletterseil. Rutscht er aus, findet er keinen Halt.

Der Vorwurf, der christliche Glaube sei bloß eine Übertragung irdischer Bindungen auf das Jenseits, ist alt. So hatte bereits der Philosoph Ludwig Feuerbach (1804-1872) gefordert, die Verdoppelung der Welt aufzugeben und sich statt mit der himmlischen Familie mit den Problemen der irdischen zu befassen.

Dass man, statt den himmlischen Vater anzubeten, sein Verhältnis zum irdischen Vater klären solle. Und dass man statt den himmlischen Staat und seine Hierarchie zu verherrlichen, den irdischen Staat und seine Ordnungen überdenken müsse.

Heute ist es Konsens, dass Gläubige nicht über dem Jenseits das Diesseits vergessen dürfen. Christlicher Glaube ist diesseitig und hilft, Kräfte für das Leben auf Erden zu mobilisieren.

Vater, Mutter, Richter

Auch stimmen Theologen mit dem Philosophen Feuerbach darin überein, dass Projektionen zum Glauben dazugehören. Menschen können sich Gott nur in menschlichen Beziehungsbegriffen vorstellen. Als Vater oder Mutter. Als grausamen oder nachsichtigen Richter. Und als einen, der die Menschen liebt oder sich kalt von ihnen abwendet.

Dennoch erschöpft sich der Glaube an Gott nicht in Projektionen. Glaube ist mehr. Seine Glaubensbilder ererbt der Einzelne von früheren Generationen. Er lernt sie aus den Erfahrungen und Zeugnissen vieler Generationen, die vor ihm gelebt haben. Der Gläubige verdoppelt also nicht bloß seine Welt, indem er frühkindliche Erfahrungen auf Gott projiziert.

Wer glaubt, kann dank seines Glaubens ungewöhnliche Kräfte entwickeln. So gehört zum christlichen Glauben auch die Gewissheit, dass man von Gott angenommen und geliebt ist.

Solche Gewissheit kann so stark sein, dass sie einen aufrichtet, wenn kein anderer Mensch einen bejahen oder einem vergeben kann. Wer aus dieser Gewissheit lebt, ist eher bereit, anderen für ihre Fehler zu vergeben.

Der Glaube an Gottes Liebe befreit den Menschen. Er macht ihn offener für andere und für ihre Not.

Auch halten Christen daran fest, dass es trotz aller irdischen Ungerechtigkeit eine ewige Gerechtigkeit gibt. Sie gehen davon aus, dass jede Ungerechtigkeit gegen Gottes Willen ist.

Und dass Gott all diejenigen ins Recht setzen wird, die irreparabel Unrecht erfahren haben. Diese Hoffnung spornt Christen an, gegen Unrecht aufzubegehren. Und sie hilft ihnen, selbst Unrecht und Leid zu ertragen, ohne darüber zu verbittern.

Der Glaube ist also kein Psychotrick, mit dem man sich über die Wirklichkeit hinwegtäuscht. Glaube ist eine von früheren Generationen erlernte Lebensbejahung. Er macht Menschen frei für die Wirklichkeit und hilft ihnen, über sich selbst hinauszuwachsen.

Burkhard Weitz

Kurt E. Sievers
am 8. August 2007 um 17:35
Ist Glaube ein Psychotrick?
Wenn wir jemanden fragen, der auf dem Sterbebett liegt, ob er z.B. seine Friseurmeister-Urkunde haben möchte, wird er dies verneinen.
Obwohl er, im blühenden Leben stehend, sie gerne angesehen, und vielleicht auch damit "angegeben" hat.
Die Dinge relativieren sich also.
In ieser Herberge am Wege, die man gemeinhin das irdische Leben nennt, verdienen die meisten Dinge nicht annähernd so viel Aufmerksamkeit, wie wir es uns als Pflicht auferlegen, oder, was noch viel schlimmer ist, auferlegen lassen.
Nicht mein Haus, mein Boot, mein Auto und auch nicht mein Geld verdient die Aufmerksamkeit, die dann, denn jetzt ist der letzte Moment, unserem Gott zukommen sollte; denn "demnächst" wird unser Herr und Heiland die Frage stellen: "Was hast du für mich getan?"
Übrigens, die Kirche kann mich dann auch nicht retten.
Ergo, meine Zukunft hat einen Namen: JESUS, Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben.
Also lasst uns DIESEN Weg gehen und unser Leben Jesus übergeben.
Wie heißt es in der dritten Strophe eines Liedes:
und so will ich wallen, meinen Pfad dahin, /
bis die Glocken schallen und Daheim ich bin. /
Dann mit neuem Singen, jauchz ich froh Dir zu, /
nichts hab ich zu bringen, ALLES Herr bist Du.
Amen
PS) Also nur ein Psychotrick für die, die verlorengehen.
A.P.
am 19. April 2009 um 15:08
Religiöse Verdummung im Kapitalismus als direktes Machtinstrument !
Religionen werden mißbraucht um den herrschenden Kapitalisten ihren Machtspielraum zu erweitern. Religionen sind im Kern alle unwissenschaftlich beruhen auf Aberglaube und basieren geschichtlich betrachtet fast ausschließlich auf Gewalt und Einschüchterung. Sie transportieren oft grausame Bräuche, halten die Menschen in Armut und behindern Aufklärung, Forschung und Entwicklung. Religionen hemmen die Menschheit sich von Ihren Unterdrückern zu befreien, deshalb findet man immer in der Nähe der Kapitalisten-Schmarotzer und deren stinkenden Dunstkreis religiöse Würdenträger...diese machen sich regelmäßig zu Vasallen der herrschenden Ausbeuterklasse aus den gleichen niederen Bereicherungstrieben heraus als jene mit Ihrer zweifelhaften Moral die Kreuzzüge, Folter, Hexenverbrennung und Ablasshandel unterstützten. So hat der Vatikan Nazi-Verbrechern gegen Entgelt die Flucht nach Südamerika ermöglicht, nicht selten arrangierten sich "Christen" mit hochkarätigen Nazis und verrieten Widerstandskämpfer. Ganze Kontinente wurden einst aus religiösen Gründen ausgebeutet, versklavt und bis in die Gegenwart ausgeplündert. Es gibt kein einziges Land auf der Welt welches religiös stark geprägt ist wo Menschen frei ohne Angst in Würde ihren Alltag leben können. Wenn Religion als ein Relikt der Vergangenheit die heutige Zeit und die Zukunft stark beeinflusst so sind immer wieder die schlimmen Folgen sichtbar, wenn Länder immer mehr in Fundamentalismus, Terror und Gewalt versinken. Daher steht Religion nicht für das bessere, nicht für das menschliche sondern immer für das alte, häßliche, grausame, brutale, rückständige welches immer die größte Geisel der Menschheit war und ist daher auch der Begriff der Glaubenskriege. Ein Beispiel zeigt weiter unten die Grausamkeit des Islam und des Judentums im Umgang mit Nutztieren bei der Schlachtung. Religion wird häufig eingestzt um angeblich den Menschen Werte zu vermitteln...natürlich sind diese "Werte" nichts wert weil sie die Menschen daran hindern ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. Kirchliche Missionen packen nicht das Übel bei der Wurzel, sie lassen die Menschen im Elend verharren und machen den Dümmsten weiß sie sollen nur zum lieben Gott beten dann wird schon alles besser. So fördern Religionen durch Passivität die Vorherrschaft kapitalistischer und korrupter Regime, Hilfe wird nur denen zuteil wo ein konsequenter Eigennutz dahinter steckt.
Herold
am 16. August 2009 um 21:42
Stimmt AP. Religion ist vom Teufel und nützt nix. Deshalb rate ich ihnen, dass auch Sie ihre Religion wegwerfen und sich zum wahrhaften Schöpfer Himmels und der Erde bekehren. Dann erst sind Sie vor der Hölle, die Sie verdient haben befreit.

Eintrag kommentieren





Religion für Einsteiger - Das Buch zur Serie gibt's hier
RSS-Feed
  Für alle Rubriken
  Nur für diese Rubrik
Religion-für-Einsteiger-Artikel

Netzwerk
chrismon ist eine Marke des Hansischen Druck- und Verlagshauses und gehört zum Netzwerk des Gemeinschaftswerkes der Evangelischen Publizistik gGmbH. Weitere Portale:
chismon.de | chrismonshop.de | epd-film.de | 7-wochen-ohne.de | gep.de