Beichte - für Protestanten überholt?

Zu mitternächtlicher Stunde nimmt Priester Michael Logan eine unheimliche Beichte ab: Sein Küster gesteht einen Mord. Logan rät ihm, sich der Polizei zu stellen. Doch dem Küster fehlt der Mut. Später verdächtigt die Polizei den Priester des Mordes. Logan könnte sich leicht vom Verdacht befreien.

Doch er wahrt das Beichtgeheimnis. Das Gericht spricht Logan mangels Beweisen frei. Das Publikum aber tobt und verlangt Rache. Logan schwebt in großer Gefahr.

Eines stellt Regisseur Alfred Hitchcock mit Priester Logan im Film „Zum Schweigen verurteilt" sehr zutreffend dar: Pfarrer sind ausgesprochen verschwiegen, wenn es um die Beichte geht.

Das gilt für katholische wie evangelische Pfarrer. Nur so kann sich jeder darauf verlassen, dass alles, was in der Beichte zu Wort kommt, streng vertraulich ist.

Nicht nur Katholiken können bei schweren Vergehen eine persönliche Beichte, also ihr eigenes Sündenbekenntnis, ablegen, sondern auch Protestanten. Für jeden Christen gehört die Beichte zur Buße.

Und Buße ist tätige Selbstkritik sowie der Versuch, sich zu bessern. Mit dem Sündenbekenntnis erkennt der Christ an, dass durch sein verkehrtes Tun das Verhältnis zwischen Gott und Mensch gestört ist. Die ritualisierte Form ermöglicht dem Beichtenden, so etwas wie eine innere Reinigung zu erleben.

Erst bereuen, dann bekennen

Die kirchliche Buße sieht traditionell vor, dass der Sünder zunächst seine Vergehen von Herzen bereut und sie vor einem Geistlichen bekennt. Dann erst kann dieser den Reumütigen von seiner Sünde lossprechen (Absolution) und gegebenenfalls eine gute Tat als Zeichen der Reue verlangen.

Absolution empfängt nur, wer Reue zeigt. Natürlich kann der Pfarrer nicht immer sicher sein, ob die Reue echt ist. Theologen gehen aber davon aus, dass in Zweifelsfällen denjenigen, der mit der Beichte sein Spiel treibt, die Zusage der göttlichen Vergebung ohnehin nicht erreicht. Nur für den, der bereut, ist Vergebung überhaupt wichtig.

Wenn jemand ein Verbrechen beichtet - was selten vorkommt -, verlangt der Pfarrer, dass sich der Täter der Polizei stellt. Meist aber geht es um persönliche Gewissensnot: Jemand hat seinen Partner betrogen, er hat einem Kind unrecht getan, die Eltern belogen oder mutwillig eine Beziehung zerstört.

Oft lässt sich das zerschlagene Porzellan nicht mehr kitten. Die eigene Schuld wird beim Namen genannt, das Beichtgespräch macht den Weg frei für eine Neubesinnung.

Die Reformatoren haben den Nutzen der Beichte nie bestritten. Im Gegenteil: Noch 150 Jahre nach Luthers Tod war es üblich, dass jeder Protestant regelmäßig zur persönlichen Beichte ging. Erst im Zeitalter des Pietismus, als die Protestanten die individuelle Frömmigkeit betonten und der Dogmen überdrüssig waren, begannen sie, erste Beichtstühle aus den Kirchen zu räumen.

Klage über Verflachung

Grund dafür war die Klage über eine angebliche Verflachung der Beichte. Ganz im Sinne des Reformators Martin Luther empfanden es die frühen Pietisten als falsch, sich mit floskelhaften Schuldbekenntnissen die Absolution des Pfarrers einzuholen. Man forderte Ernsthaftigkeit und schaffte den in der Theorie längst beseitigten, aber praktisch noch immer gültigen Beichtzwang ab.

Seit dem frühen 18. Jahrhundert überlassen es Protestanten dem Einzelnen, ob er von der Aussprache mit dem Pfarrer Gebrauch macht oder nicht. Ihnen reicht zumeist, dass die Gläubigen am Anfang jedes Gottesdienstes eine allgemeine Beichte ablegen. Die Folge war, dass Beichtstühle in evangelischen Kirchen überflüssig wurden.

Im 19. Jahrhundert machten viele Protestanten aus der Not eine Tugend. Sie behaupteten, der Verfall der Beichte sei eine Errungenschaft der Reformation. In Wahrheit hatte Martin Luther bis zu seinem Tod 1546 regelmäßig gebeichtet. Gleichwohl: Im 19. Jahrhundert taten viele Protestanten die persönliche Beichte als katholische Eigenart ab.

Erst nach der Entdeckung der Psychoanalyse lernten evangelische Christen aufs Neue, welche Heilwirkung in einer persönlichen Aussprache liegen kann. Seither hat die Seelsorge im Alltag der Pfarrer stark an Gewicht gewonnen. Zwar folgt nicht jedes Seelsorgegespräch formal den Schritten der Buße mit Sündenbekenntnis und Lossprechung.

Aber vertrauliche, offene Gespräche und die Bitte um Gottes Vergebung haben ihren festen Platz in der evangelischen Kirche. Gerade in schweren Gewissenskonflikten sind Pfarrer oft die einzigen vertrauenswürdigen Gesprächspartner. Und wer sich ausspricht, findet leichter Klarheit bei sich selbst.

Burkhard Weitz

Spitzweg
am 12. März 2008 um 18:00
Es wird erzählt, dass früher die Priester den jugendlichen Kirchgängern mit Hölle, Tod und Teufel drohten, wenn sie ungebeichtet zur Heiligen Kommunion gingen - um dann die Neuigkeiten brühwarm den strafenden Eltern zu servieren. Mir ist auch persönlich ein Fall bekannt, wo ohne Not das Beichtgeheimnis verletzt wurde.
Neinneinnein! Meine Sünden bleiben bei mir und meinem Internetprovider!
Klimsch
am 11. Oktober 2008 um 21:09
Die ganze Beichte ist eine völlig überholte Angelegenheit. Sie verleitet dazu, seine Vergehen dem Príester zu bekennen und dann freigesprochen zu werden. Was soll das ganze überhaupt in einer Zeit der Rechtssysteme?
Jürgen Sievers
am 7. November 2008 um 04:41
Wer ist denn der Sünder der den anderen Sünder seine Schuld vergeben kann ?
Der kann sich ja selber noch nicht mal retten, was immer sein Titel ist.
Jesus sagt daß ein Blinder einen anderen Blinden führt. Beide fallen.
Warum wohl ?
1 Johannes 1:9 sagt daß NUR Jesus Sünde vergeben kann.
Gott sei Dank !!!
Kurt E. Sievers
am 31. Januar 2009 um 16:12
Beichte-für Protestanten überholt?
Ich protestiere, denn ich bin ein Protestant. Soll heißen: Ich protestiere gegen alles, was nicht mit der Schrift konform geht; protestiere also auch für alle, die Jesus Christus kennen.
Warum soll ich meine Sünden einem irdischen Menschen beichten, wo doch jeder weiß, dass NUR Gott die Sünden vergeben kann. Also beichte ich ihm, nobody else !!!
Nein, da ist die Schrift genau. Ich muß nämlich Gott mehr gehorchen als den Menschen.
Die Schrift sagt, dass wir Gott unsere Schuld eingestehen müssen. Dann können wir uns darauf verlassen, dass Gott Wort hält: Er wird uns dann unsere Verfehlungen vergeben und alle Schuld von uns nehmen, die wir auf uns geladen haben.
Wer etwas anderes behauptet, hat nie in die Bibel geschaut, der kann nicht lesen, oder, er verschweigt, was er gelesen hat.
Gelobt sei der Name unseres Herrn Jesus Christus.
Jansen
am 1. September 2009 um 10:04
Jesus ist nur dafür gestorben,
dass er Sünden vergeben hat.
Was ihm zur Last gelegt wurde,
entlastet uns, wenn wir in seinem
Sinn unsere Schuld vor Gott,
vor den Menschen und uns selbst
bekennen und sein Opfer erkennen
und demütig als Wiedergutmachung
annehmen.
Die Vollmacht Sünden vergeben
zu dürfen, ist sein Testament
und sein Erbe an die Priester,
seine Nachfolger, die im Stande
der Gnade und Achtung vor dem
Sakrament die Lossprechung erteilen
können oder sie verweigern dürfen.
Ohne eine ehrliche Beichte wird
der Mensch nicht vor Gott gereinigt.
In der Kommunion erscheint Jesus
im Büßergewand, dass ihn mit dem
Menschen vereinigt, der sich ihm
anvertraut und vor Gott, dem Vater
einer innerlichen Reinigung durch
die Beichte vollzogen hat.
Durch die Sünde ist niemand
gerechtfertigt vor Gott und
im Angesicht Gottes kann der
Mensch in der Sünde nicht vor
Gott erscheinen, ohne seine
Selbstachtung aufrecht zu erhalten.
Kurt E. Sievers
am 5. Oktober 2009 um 13:56
Beichte - für Protestanten überholt?
Es geht schon wieder los mit diesen Halbwahrheiten.
>>Die Vollmacht Sünden vergeben zu dürfen, ist sein Testament und sein Erbe an die Priester, seine Nachfolger, die im Stande der Gnade und Achtung vor dem Sakrament die Lossprechung erteilen können oder sie verweigern dürfen.<<
Oh Mann, wo steht das denn in der Heiligen Schrift?
Demnächst kommst du noch mit der Lüge, dass Petrus einen Stellvertreter auf Erden ernannt hat.
Über diese Lügen ist die Geschichte doch schon längst hinweggegangen.
Die Konstantinische Schenkung läßt grüßen.
Diese Lügen haben bei uns jedenfalls sehr zur Erheiterung beigetragen.
Heinz Schulz
am 5. Oktober 2009 um 14:14
Herr Jansen,
können Sie mir einen Grund nennen, warum ich einem Sünder, meine Sünden bekennen soll?
Sie stimmen doch, wie die Mehrheit der Gläubigen, mit mir überein, dass die Priester Sünder sind?
Oder wollen Sie behaupten, dass das keine Sünder sind?

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