Seid fruchtbar und mehret euch- gilt das noch?
Prinz Michael von Sachsen-Weimar-Eisenach, wohnhaft in Mannheim, hatte seine eigene Strategie, etwas gegen den Kindermangel in Deutschland zu tun.
Er wurde Ehrenpate von fünf Kindern, die in Ostheim vor der Rhön getauft wurden. Angekündigt hatte er diesen familienförderlichen Akt ein Jahr zuvor bei einer Festveranstaltung der unterfränkischen Kommune, bei der ihr Bürgermeister über niedrige Geburtenzahlen geklagt hatte.
Des Prinzen Angebot: die Kinder im Auge zu behalten und ihnen bei Bedarf finanziell zu helfen.
Die Aufforderung Gottes an die Menschen, fruchtbar zu sein und sich zu vermehren, zählt zu den prägnantesten Sätzen der Bibel - so richtig ernst genommen wird sie heute nicht mehr.
Dabei erscheint dieser Appell doch als sehr aktuell: Unsere Gesellschaft plagen Nachwuchssorgen, Schulen werden geschlossen, die Rentenkassen leeren sich.
Erst die Sintflut, dann der Kindersegen
In zwei Zusammenhängen findet sich im Alten Testament Gottes Aufforderung: „Seid fruchtbar und mehret euch." In der Schöpfungsgeschichte taucht dieser Appell zur Fortpflanzung am fünften Tag im Blick auf die Meeres- und Himmelstiere auf sowie am sechsten in Bezug auf die Menschen (1. Buch Mose/Genesis, Kapitel 1).
Noch deutlicher fordert Gott die Menschen nach dem Ende der Sintflut auf, für reichen Kindersegen zur sorgen.
Hatte er zuvor die meisten Menschen zur Strafe für ihre Untaten ertränkt und nur die Familie Noahs mit drei Söhnen und Schwiegertöchtern sowie etlichen Tieren in einer Arche überleben lassen, so erging an die Überlebenden zwei Mal der Aufruf: „Seid fruchtbar und mehret euch!" (Kapitel 9).
Für Juden mehr noch als für Christen gilt Kinderreichtum als Zeichen göttlicher Zuwendung und als Lohn für ein gottgefälliges Leben. Es gibt in der Bibel Berichte über glücklose Paare, die nicht mit Kindern gesegnet sind und dies als Strafe Gottes verstehen.
Schon dies sind Hinweise darauf, dass es in den Aufforderungen Gottes zur Fortpflanzung um etwas anderes geht als um eine umfassende Strategie zur Bevölkerung der Erde.
Die Schöpfung erhalten
Der Kern dieses Appells ist vielmehr die Aussage: Diese Schöpfung ist gut, und allen Menschen soll es ein Anliegen sein, dass sie in aller Vielfalt und Schönheit gedeiht.
Fruchtbar zu sein und sich zu vermehren - eine Aufforderung von bleibendem Wert? Mehr denn je. Gerade heute, da das Kinderkriegen keine Selbstverständlichkeit mehr ist wie noch vor zwei, drei Generationen. Da ein Fünftel der jungen Leute in Deutschland sich heute keinen Nachwuchs mehr wünscht. Da Menschen gründlicher als früher abwägen, welchen Weg sie in Liebe, Partnerschaft und Familie gehen wollen.
Partner fragen heute häufiger und intensiver nach der Qualität ihrer Beziehung. Werden Kinder ihre Zweisamkeit verändern? Durchkreuzen sie ihre beruflichen Pläne oder ihre Bildungsziele? Ist es überhaupt verantwortlich, in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit Kinder zu bekommen?
Kinder gelten als Berufshin- dernis, als wirtschaftliches Risiko, als Zeitfresser, als Störfaktoren in einer immer aufwändigeren Freizeitgestaltung.
Arbeitgeber schätzen Eltern
Und dann die Gegenszenarien: Arbeitgeber schätzen Angestellte, die Kinder haben, denn wer mit der Versorgung und Erziehung von Kindern zurechtkommt, den wirft so schnell keine Herausforderung aus dem Gleis. Angestellte mit Kindern müssen für ihre Familien sorgen und können nicht beim nächsten Ärgernis einfach aus dem Job aussteigen.
Auch die Volkswirtschaft liebt Kinder, denn nur wer geboren wird, kann später auch einkaufen. Doch unabhängig von solchen Erwägungen zeigt sich in vielen Fällen im Wunsch nach Nachwuchs eine vitale Lebensfreude, die sich sachlich gar nicht begründen lässt.
Die biblische Aufforderung „Seid fruchtbar und mehret euch" ist deshalb zeitlos aktuell, weil sie das Signal enthält: Ihr könnt dem Leben vertrauen! Ihr braucht keine Angst zu haben. Die Welt liegt euch und euren Kindern zu Füßen! Dieses befreiende Signal war schon nach den Zerstörungen der Sintflut wichtig. Und das ist es auch heute noch.
Sich der vitalen Kraft des Lebens nicht entgegenzustemmen, sich nicht zu sträuben, sondern dem Leben zu vertrauen: So kann man auch den biblischen Auftrag zur Fruchtbarkeit übersetzen. Das sagen auch die Kirchen. Deshalb heißt es in kirchlichen Erklärungen geradezu regelmäßig, wenn es ums Thema Kindermangel geht: Habt keine Angst! Habt Freude am Leben!
Eduard Kopp

Kommentare: 3
Was an Menschen zu viel ist ,muß eliminiert werden, gleich wie. Da Gott versprochen hat die Menschheit nicht erneut zu ersäufen, muß er sich da wohl menschlicher Hilfe bedienen.