Müssen Christen Verzicht üben?
Wahrscheinlich haben sich die Bosse der größten deutschen Speiseeisfirma vor zwei Jahren begeistert auf die Schenkel geschlagen, als Kirchenvertreter ihnen die Freude machten, sich öffentlich über ihre Eiskreation namens „Sieben Todsünden" aufzuregen.
Das brachte Aufmerksamkeit für ihre Eiscreme - allerdings auch eine schlechte Presse für die Kirche. Die stand wieder mal im Verdacht, in den Verzicht verliebt und allem Genuss abgeneigt zu sein.
Zu diesem Image hat sie aufgrund ihrer historischen Entstehung selbst beigetragen, denn die ersten Christen glaubten, dass die Wiederkunft Christi unmittelbar bevorstehe.
Es galt, die verbleibende Zeit zu nutzen, um sich auf die Begegnung mit Gott vorzubereiten und nicht in irdischen Lüsten zu verharren. So mahnte schon der Apostel Paulus: „Lasst uns ehrbar leben wie am Tage, nicht in Fressen und Saufen, nicht in Unzucht und Ausschweifung, nicht in Hader und Eifersucht; sondern zieht an den Herrn Jesus Christus und sorgt für den Leib nicht so, dass ihr in Begierden verfallt."
Bis ins Mark
Ende des vierten Jahrhunderts stieß der Kirchenvater Augustin auf diese Verse aus dem Römerbrief (13,13 f.). Da er bisher ein rechter Lebemann gewesen war, sich nun aber im Alter von 32 Jahren zum Christentum bekehrte, trafen ihn die biblischen Worte bis ins Mark.
Nach seiner Bekehrung entwickelte Augustin eine folgenschwere Lehre: Das Ziel des menschlichen Lebens liege zwar im Genießen (lateinisch: frui), aber nur und ausschließlich im Genießen Gottes, denn Gott als das Gute an sich sei das Einzige, was um seiner selbst willen erstrebt werden dürfe.
Alles andere dürfe dagegen nur für dieses Ziel, nämlich Gott zu genießen, genutzt werden (lateinisch: uti). Genuss Gottes hieß für Augustin allerdings, sich streng an den mönchischen Idealen der Askese und des Gebets zu orientieren.
Diese Lehre Augustins hat die christlichen Kirchen stark geprägt, besonders seine Leibfeindlichkeit und Kritik an der Sexualität als Ursprung aller Sünde.
Er entwickelte die verhängnisvolle Lehre von der Erbsünde, nach der alle Menschen von Anfang an sündig seien, da sie alle durch einen stets sündhaften Geschlechtsakt gezeugt seien.
Askese aus freiwilligem Ermessen
Augustins Lehren flossen in der Überlieferung mit jener frühchristlichen Überzeugung zusammen, dass es mit der Erde sowieso bald zu Ende gehe. Martin Luther hingegen, der ansonsten sehr von Augustin geprägt war, stellte die Askese in das freie Ermessen der Gläubigen und warnte davor, asketische „Leistungen" als Verdienst für das ewige Heil anzurechnen.
Es gibt durchaus Passagen in der Bibel, die der Feier, dem Genuss und der Freude aufgeschlossen gegenüberstehen. So wird im Alten Testament geradewegs zum Genuss der Schöpfung aufgerufen: „Freue dich der Frau deiner Jugend. Lass dich von ihrer Anmut allezeit sättigen und ergötze dich allewege an ihrer Liebe" (Sprüche Salomos 5,18 f.).
Auch Jesus scheint nicht übermäßig asketisch gewesen zu sein. Er bezeichnete sich selbst ironisch als „Fresser und Weinsäufer" (Lukas 7,34) und stellte sich damit bewusst in Gegensatz zu Johannes dem Täufer, dem Asketen, der wahrscheinlich sein erster Lehrer war.
Genuss würdigen
Diese Traditionen, die den Genuss würdigen, kommen bis heute gegen die Betonung der Askese im Sinne Augustins schwer an, obwohl viele Geistliche durch zeitgemäße Verkündigung, demonstrative Lockerheit und sorgfältig gestaltete Gottesdienste versuchen, die sinnenfreudige Seite des Evangeliums stark zu machen - sicherlich ein sinnvolles Anliegen, denn Augustin und seine Nachahmer haben es mit der Verzichtsfreude übertrieben.
Auf der anderen Seite aber haben die Appelle des Kirchenvaters Augustin aus dem fünften Jahrhundert durchaus auch etwas für sich: Sie helfen, Wichtiges und weniger Wichtiges sowie Fremd- und Eigennutz ins rechte Verhältnis zueinander zu setzen. Denn wer alles unter der Perspektive des Eigennutzes betrachtet, verliert schnell das Gespür dafür, was andere Menschen brauchen.
Das hatte auch Jesus im Blick, als er das biblische Doppelgebot der Liebe zitierte: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben und deinen Nächsten wie dich selbst" (Matthäus 22,37-39).
Wer das beherzigt, der weiß, wann Verzicht sinnvoll ist. Ein Eis mehr oder weniger, wie immer es auch heißt, spielt dabei wohl kaum eine Rolle.
Reinhard Mawick

Kommentare: 4
1Kor 7,4 Das Weib hat nicht Macht über ihren eigenen Leib, sondern der Mann; gleicherweise aber hat auch der Mann
nicht Macht über seinen eigenen Leib, sondern das Weib.
1Kor 7,5 Entziehet {O. Beraubet} euch einander nicht, es sei denn etwa nach Übereinkunft eine Zeitlang, auf daß ihr zum
Beten (Fasten) Muße habet; {O. euch dem Gebet widmet} und kommet wieder zusammen, auf daß der Satan euch nicht versuche
wegen eurer Unenthaltsamkeit.
¨
Das zur Askese.
Dieser Kirchenvater (Der Vater der Christen ist im Himmel) war ja dann ein richtiger Irrlehrer. Der hielt also den Geschlechtsakt für Sünde? Dann hätte ja Gott die Sünde geboten:
1Mo 1,28 Und Gott segnete sie, und Gott sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und
machet sie euch untertan; und herrschet über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über
alles Getier, das sich auf der Erde regt!
Dass die ersten Christen an die Wiederkunft Christi glaubten stimmt. Dazu gibt es auch genug Verse die das bezeugen:
1Jo 2,18 Kindlein, es ist die letzte Stunde, und wie ihr gehört habt, daß der Antichrist kommt, so sind auch jetzt viele
Antichristen geworden; daher wissen wir, daß es die letzte Stunde ist.
Ein prophetischer Tag = 1000 Jahre. Dann ist eine Stunde 41,6 Jahre. Jakobus wusste, dass sie in der letzten Stunde leben. So kams dann auch. Israel wurde ausgerissen und die Christen Israels entrückt.
Was damals im Kleinen geschah, wird bald seine Haupterfüllung bekommen. Der Herr kommt bald!
Alles zuviel ist von übel; zuviel Zigaretten, zuviel Alkohol,zuviel....
In der Schrift steht: Eßt und trinkt und seid fröhlich, ihr seid auf dem Weg ohne Wiederkehr.
Was auch immer andere Leute kolportieren; Christen müssen nur "vernünftig" leben.
Regel Nr.1 Gott loben, preisen und ehren und das tun, was Gott gefällt.
Mehr möchten und wollen wir zu diesem Thema auch nicht sagen. Martin Luther hat nämlich einmal gesagt: "Ich hasse die Vielredner, die Wahrheit braucht nur wenig Worte."
Richtig Martin.
Warum gehen wir diesen Umweg?
Wer im Glauben lebt, für den ist Verzicht ein erlebtes Glück.
Ich kann mir kein großes Auto leisten, aber ich bin glücklich mit meinem, weil ich im Glauben lebe. Wer nicht im Glauben lebt, der ärgert sich.
Ich habe das Eis gegessen: Mein Geld war weg, und am nächsten Tag hatte ich Bauchschmerzen.
Als Christ brauchst du nicht auf Eis zu verzichten, aber wenn du es tust, dann wir es dir besser gehen.
Leute die sich sorgen, sehen sich immer ängstlich um. Es könnte ja was schief geh'n.
Aber Menschen die Glauben schauen nach oben.
Sie wissen wo ihre Stärke her kommt.
Sie wissen was dem Herrn ehrt, gefällt, und loben ihn.
Sie wissen ob sie Wein trinken sollen oder nicht.
Sie wissen ob sie dieses oder jenes essen dürfen, wollen oder können.
Wenn du Gott liebst, tust du was ihm gefällt, ohne wenn oder aber.
Gott wird nicht verehrt außer daß er "über Alles" verehrt wird.
Verzicht ist also Ehrensache. Zwischen dir und IHM.
Du kannst zwar alles essen, aber nicht alles Essen ist gut für dich.
Lies das Buch des Lebens .... dann weißt du was du zu tun und zu lassen hast.