Wofür sind Heilige gut?

Viele Jahrhunderte lang gehörten sie zu den Besten der Besten in der christlichen Kirche: Märtyrer und Heilige, die durch ihre unbestechliche Glaubenstreue zu Vorbildern für die späteren Generationen geworden sind.

Zu Anfang Stephanus, der erste Märtyrer, der gesteinigt wurde, weil er zu harte Kritik übte am jüdischen Gesetzesdenken im frühen Christentum.

In jüngster Zeit ein Dietrich Bonhoeffer, der daran Anstoß nahm, dass ein nationalsozialistischer Staat Kirche und christlichen Glauben seinen totalitären Zielen unterwirft. An Glaubenszeugen wie Stephanus oder Bonhoeffer richten sich Menschen auf. Ihr Vorbild färbt ab.

Der evangelische Pfarrer Bonhoeffer: ein Heiliger? Ein Märtyrer ohne Zweifel - es waren die Nationalsozialisten, die ihn, den „persönlichen Gefangenen des Führers", am 9. April 1945 im KZ Flossenbürg mit dem Strang hinrichteten.

Aber ein Heiliger? Die evangelische Kirche kennt keine Heiligen im katholischen Sinn, aber manchmal nutzt sie den Begriff, um besonders vorbildliche Christen hervorzuheben.

Bonhoeffer ein Heiliger?

Der „evangelische Heilige Bonhoeffer" (Wolfgang Huber) war ein solcher. Beim 60. Jahrestag seiner Hinrichtung fiel immer wieder dieser Begriff.

Heilige sind Vorbilder, aber ihre Bedeutung selbst für die Christen sinkt. Für 90 Prozent der Protestanten und 70 Prozent der Katholiken haben sie keine oder nur eine geringe Bedeutung.

Zugleich lässt sich beobachten: Die evangelische und die katholische Position zum Thema gleichen sich einander an: Die römisch-katholische Heiligenverehrung ist erheblich zurückgegangen, obwohl der verstorbene Papst Johannes Paul II. fast doppelt so viele Menschen heilig gesprochen hat wie seine Vorgänger in 400 Jahren.

Und in der evangelischen Kirche setzt sich die Einsicht durch, dass die Ablehnung des Heiligengedenkens seit der Reformation zu weit gegangen ist: Mit der Ablehnung von Wunderglauben und überirdischen Kräften hatte man die Heiligen als Vorbilder beseitigt.

Heute haben Protestanten keine Probleme mehr mit den „Heiligen" im Sinne solcher Vorbilder. Nicht nachvollziehbar ist für sie, dass Heilige so etwas wie Anwälte der Menschen vor Gottes Thron sind. Dass zu den Heiligen gebetet wird, um bei Gott mehr Gehör zu finden, widerspricht dem evangelischen Prinzip, dass jeder Mensch eine unmittelbare Beziehung zu Gott haben kann.

Luther hielt heilige Fürsprecher für denkbar

Für den sanften Reformator Melanchthon und den jungen Martin Luther war es noch denkbar, dass Heilige Fürsprecher bei Gott sind, immer unter der Voraussetzung, dass der einzige Mittler zu Gott Jesus Christus ist. Doch für „Abgötterey" hielten die Reformatoren die Verehrung der Heiligen in dem Sinn, dass sie eine eigene Macht haben, die Geschicke auf Erden und im Himmel zu lenken.

Luther sprach sehr kritisch über die Wirkung von vermeintlichen „Nothelfern". Alle Formen der Heiligenverehrung, die darauf beruhen, dass Heilige die Verhältnisse verändern können, kamen für Luther damals und kommen für Protestanten heute keinesfalls in Frage.

Die Wunderkraft eines Josemaría Escrivá de Balaguer, des Gründers der katholischen Geheimorganisation Opus Dei (Werk Gottes), zählt auch dazu: Er soll die vollkommene Heilung eines krebskranken Arztes von Radiodermitis, also Schäden durch Röntgenstrahlen, „gewirkt" haben.

Der Nachweis eines solchen Wunders, der von katholischer Seite als Voraussetzung für die Heiligerklärung genannt wird, liegt außerhalb evangelischen Denkens.

Kein offizielle Kürung von Heiligen

Nach evangelischem Verständnis bilden Heilige auch keinen fest umrissenen kleinen Kreis von Personen, die in einem offiziellen Verhandlungsprozess den Status als Vorbilder zugesprochen bekommen.

Weder müssen Heilige bereits tot sein, noch bedürfen sie einer offiziellen Approbation. Wenn Protestanten von Heiligen sprechen, dann in einem weiten, sehr offenen Sinn: als Zeugen des Glaubens.

Die Eingangsfrage „Wofür sind Heilige gut?" lässt sich eindeutig beantworten: Sie geben ein Beispiel dafür, was es heißt, den Glauben mutig zu bekennen, selbst dann, wenn man dafür erhebliche Nachteile in Kauf nehmen oder sogar das Leben einsetzen muss.

Nur: Dass sich durch die Verehrung der Heiligen oder die Bitte um ihre Fürsprache bei Gott die Verhältnisse hienieden verbessern, ist für Protestanten abwegig. Und ob jemand heilig ist oder nicht, erweist sich für sie nicht in einem geld- und kräftezehrenden Prozess.

Heilig sind alle Menschen, die sich von der Gnade Gottes erreichen lassen: die gesamte Kirche. Das darf sich auch ruhig in ihrem alltäglichen Verhalten niederschlagen.

Eduard Kopp

KurtSievers
am 22. Juni 2007 um 15:16
In der katholischen Kirche ist das Beten von Heiligen als Fürsprecher zu Gott ja üblich.
Die Bibel kennt weder die katholische Kirche, noch den Papst, noch Fürsprecher zu Gott. Das gilt selbstverständlich auch für die evangelische Kirche.
Als Vorbilder kann man selstverständlich auch Bonhoeffer und Stephanus.
Ben Kalenol
am 6. Juli 2007 um 13:08
//Heilig sind alle Menschen, die sich von der Gnade Gottes erreichen lassen//
Richtig.
//: die gesamte Kirche.//
Falsch.
Kurt E. Sievers
am 2. August 2007 um 21:10
Wofür sind Heilige gut?
Zuerst sollten wir einmal klären, wer eigentlich Heilige sind. Heilige sind u.E.Leute, die durch das Blut Jesu gereinigt sind und wo der untadelige Wandel der Lebensführung sichtbar wird. Wohl auch noch Natürlichkeit, die sich in der freien, offenen, entgegenkommenden Art ausdrückt; auf alle Fälle bekennende Christen, denn ohne dass man Jesus "kennt"
läuft hier garnichts.
Auf alle Fälle können Heilige nicht dafür herhalten, wie in der katholischen Kirche praktiziert, als Fürsprecher zu Gott zu dienen. JERDER Christ kann sich direkt an Gott wenden; denn sonst wäre die Heilige Schrift falsch.
Bruder Kopp, du schreibst im letzten Absatz, dass die Kirche heilig ist. Wo steht das in der Schrift? Unsere Antwort: Menschenwerk.
Ben Kalenol
am 27. November 2007 um 21:34
Bruder Kopp hat das nun auch erkannt und aus tiefer Scham kann er nun nicht antworten.
heut
am 18. Februar 2009 um 16:01
"Heilige" wie auch "Engel" sind eigentlich die Übersetzung der Gottessöhne und Schutzgötter der Ägypter, Griechen, Römer und anderen Völker aus der Zeit vor Christi Geburt, wann und ob auch immer das war. Ein Gott, der für alles zuständig ist und auch noch eifersüchtig auf andere Götter (die es dann ja offensichtlich gab) war halt für den damalige Zeitgeist nicht genug, daher wurden Engel und Heilige dazugeschrieben um die Lücken zu füllen. Jeder römische Kaiser war gleichzeitig "Gott" und wurde nach seinem Tode auch so verehrt. Genauso funktioniert es immer noch.

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