Gibt es das - die Strafe Gottes?
Mit verwegenen Äußerungen hielt er selten hinter dem Berg. Pat Robertson, amerikanischer Fernsehprediger mit Nähe zur Republikanischen Partei, urteilte über Israels Ministerpräsident Ariel Scharon, der im Januar einen schweren Schlaganfall erlitten hatte: Das ist die Strafe Gottes dafür, dass Scharon den israelischen Abzug aus dem Gazastreifen angeordnet hatte.
Dies sei nun einmal Gottes Land, das dürfe niemand hergeben. Es dauerte nicht lange, da hagelte es weltweit Proteste, und Robertson musste sich für seine eigensinnige Interpretation entschuldigen.
„Gottesstrafen" waren für den Fernsehprediger auch die Terroranschläge vom 11. September - Strafen für die Abtreibungen in Amerika. Ähnliche Argumentationen hörte man über Jahre hinweg gelegentlich im Zusammenhang mit Aids.
Mehrere katholische Kirchenführer bezeichneten Aids als eine Strafe Gottes und schlugen einen Bogen zur Homosexualität.
Strafen treffen ganze Familien
Moralisten nehmen sich gern ein Vorbild an den teilweise harschen Aussagen des Alten Testaments. Sie lassen dabei außer Acht, dass es auch ganz andere Schlüsselbegriffe gibt, die Gottes Verhalten gegenüber den Menschen beschreiben: Gnade, Güte, Liebe zum Beispiel.
Aus dem Buch Jesaja entnehmen sie stattdessen, dass ein eifersüchtiger Gott den Götzendienst des Volkes mit dem Tod bestraft: „Die sollen ein Rauch werden in meiner Nase, ein Feuer, das den ganzen Tag brennt." (Jesaja 65, 5).
Was noch schlimmer ist: Die Strafen treffen nicht nur die Übeltäter, sondern auch ihre Familien. Dass Gott die Menschen für ihr unmoralisches Tun und für den Glaubensverlust hart bestraft, ist im Alten Testament vielfach belegt.
Paradoxerweise bringt die Rede von der Gottesstrafe für viele Menschen psychische Entlastung. Naturkatastrophen, folgenreiche Unfälle, der Tod von Angehörigen bekommen auf diese Weise eine spezielle Bedeutung.
Sie verlieren ihre unerträgliche Sinnlosigkeit. Selbst wenn das eigene Leiden groß ist, erscheint es ein wenig erträglicher, wenn es als Buße für eigenes Fehlverhalten verstanden werden kann.
Martin Luther zögerte nicht, bei Verstößen gegen die zehn Gebote eine breite Palette von Strafen Gottes in Aussicht zu stellen, doch hatte sich der Akzent schon erkennbar verschoben.
Gottes Güte ist unerschöpflichBei
Luther steht nicht mehr der eifersüchtige und zornig strafende Gott im Vordergrund, sondern er bringt mehr und mehr die Lebenserfahrung der Menschen ins Spiel. Gesetzeswidriges Handeln zahlt sich nicht aus - so argumentiert der Reformator.
In der christlichen Bibel bleibt die Ankündigung eines Gerichts zwar bestehen. Doch die Zuwendung Gottes zu den Menschen wird nicht mehr durch Wohlverhalten und Gesetzestreue „verdient", sondern sie ist sein freies Geschenk.
Diesen Wechsel der Blickrichtung kann man gar nicht genug betonen. Gottes Güte ist unerschöpflich. Sie kommt allen zugute, die an ihn glauben.
Galt im jüdischen Glauben: Wer Gottes Gebote erfüllt, wird im Gericht bestehen, so betonen die christlichen Evangelien, dass Jesus stellvertretend für alle Menschen den Tod auf sich genommen hat.
Leidvolle Erfahrungen als Anstoß zum Nachdenken
Gott kann deshalb den Menschen, die an Jesus Christus glauben (die also annehmen, was er für die Menschen getan hat), vergeben und sie von ihrer Schuld freisprechen. Ein unausweichliches, ein konsequentes Strafenkonzept Gottes gegenüber den Menschen ist damit überflüssig geworden.
Sicherlich steht es jedem frei, leidvolle Erfahrungen als Anstoß zum Nachdenken darüber zu betrachten, ob er in seinem Leben etwas ändern sollte. Doch eine gezielte Strafaktion Gottes darin zu sehen, ist eine hoch hypothetische Angelegenheit, die sich mit anderen Kernaussagen des Neuen Testaments auch nicht in Übereinstimmung bringen lässt.
Pat Robertsons Versuch, Krankheiten und Terror als Strafen Gottes zu erklären, führt auch theologisch in die Irre. Im Tod durch Terror etwas Gutes, nämlich einen erzieherischen Effekt zu sehen, ist zynisch.
Und woher will Robertson eigentlich wissen, welche Pläne Gott mit den Menschen hat? Gott ist - wie der evangelische Theologe Fulbert Steffensky einmal sagte - immer anders, als ihn sich die Menschen vorstellen.
Eduard Kopp

Kommentare: 3
Interessant, was Eduard Kopp im ersten Absatz über Pat Robertson, den amerikanischen Fernsehprediger schreibt.
So ist es auch Ganlinski, ehemals Zentralrat der Juden in Deutschland ergangen. Er verfügte, dass, wenn er stirbt, nicht in Deutschland beigesetzt werden wollte, aus der Befürchtung, dass sein Grab geschändet werden würde. Und daher wurde er in Israel beigesetzt.
Und siehe da, sein Grab wurde in Israel geschändet !
Was lernen wir daraus? Auf der einen Seite sitzen nicht nur die Guten, und auf der anderen Seite sitzen nicht nur die Schlechten.
Von dem öffentlichen Geschrei einmal ganz abgesehen; da sind natürlich immer die anderen die Schlimmen.
Somit ist die Frage, ob es die Strafe Gottes gibt wohl hinreichend geklärt.
Der Mensch denkt, Gott lenkt.
Ansonsten schaut doch einmal im Buch der Richter nach; das liest sich wie ein Schlachtbuch.
Gegenfrage: Warum haben Menschen Angst vor der Strafe Gottes?
Wenn ich den Willen Gottes erfülle, brauche ich das Strafgericht Gottes nicht befürchten; handelt doch nach der Schrift: "Tut, was Gott gefällt, ohne Wenn und Aber"
Herr, ich danke Dir, dass Du mich liebst /
Deine Liebe gilt auch mir /
Herr, ich danke Dir, dass Du mich liebst, /
ich will leben Herr mit Dir.
Halleluja
Was für den Einen Menschen wie eine Strafe aussieht kann sich für Andere als Segen herausstellen. Es ist wohl auch eine Frage der Perspektive.
Da es keinen Gott gibt, so wie du's schreibst kommst du ja dann auch nicht in den Himmel.
Denn daß wäre ja regelrecht Hölle für dich.
Also kommst du dann dort hin wo du gerne deine Zeit verbringen möchtest. Aber keine Angst ... dort werden mehr Menschen sein wie im Himmel.
Die Deutschen haben ein schönes wahres Sprichwort: Wer nicht hören will muß fühlen.
So einfach ist es !