Glauben alle an denselben Gott?
„Bist a Jid?", fragt der ultra-orthodoxe Jude den Reporter eines deutschen Nachrichtenmagazins. Beide stehen nahe der Klagemauer in Jerusalem, seit Wochen feuert die schiitische Hisbollah Raketen vom Libanon aus ins Land.
Nein, sagt der Reporter. „Macht nichts", antwortet der Jude, „es gibt nur einen Gott für alle." - „Auch für die Libanesen?", will der Reporter wissen. Natürlich, sagt er, „wir sind alle Brüder, wir vergessen es nur manchmal."
Manchmal? Vermutlich 800 Menschenleben kostete der Krieg in Israel und im Libanon allein im Juli.
Wenn es einen Gott gibt, dann gibt es ihn nur einmal. Und wer Menschen anderer Religionen nicht absprechen will, dass auch ihre Religion tiefe Lebensweisheit vermittelt, dass auch ihre Offenbarungen authentisch sind, muss sagen: Irgendwie haben alle einen Draht zu Gott. Sie sehen Gott nur aus unterschiedlichen Perspektiven.
Unterschiedliche Blickwinkel
So verschieden sind die Blickwinkel, dass Religionen einander meist fremd bleiben. Sogar die monotheistischen Religionen, die ja einiges gemeinsam haben: Sie alle gehen davon aus, dass Gott jeden Menschen gleich geschaffen habe und dass sie ihr Tun eines Tages vor Gott verantworten müssen.
Sie verehren Abraham für seine Glaubensstärke, David für seine Gebete und Hiob für seine Duldsamkeit.
Trotzdem können Juden und Muslime mit der christlichen Dreieinigkeitslehre nichts anfangen. Diese Lehre ist wesentlich für Christen. Sie besagt, Christus sei eine göttliche Person, und erklärt Jesu Leben und Lehre zum absoluten Maßstab.
Ihretwegen ist das Gut der individuellen Menschenwürde für Christen nicht verhandelbar.
Anonyme Masse oder Gleichheit?
Christen und Muslime wiederum verstehen nicht, wie man 613 oft unerklärliche Ge- und Verbote befolgen kann. Doch die Liebe zur Thora prägt im Judentum ein kluges, pragmatisches Streben nach Recht und Gerechtigkeit. Zum Zeichen dafür binden sich religiöse Juden bei jedem Gebet Thoraverse mit Riemen an Stirn und Hand.
Für Juden und Christen geht der Pilger, der unter Zehntausenden im schlichten Pilgerhemd zur Kaaba vordringt, völlig in der anonymen Masse unter. Im Islam gilt diese Masse als starkes Zeichen für Gleichheit und Brüderlichkeit unter Muslimen.
Schon die monotheistischen Religionen sind einander fremd. Viel rätselhafter erscheinen ihnen die fernöstlichen Religionen: der Hinduismus mit seiner Allgegenwart des Göttlichen und der Buddhismus mit seiner Suche nach Alleinheit.
Bei so viel Fremdheit bleiben Konflikte nicht aus. Schüler in fernöstlichen Religionen unterwerfen sich ihren Lehrern oft so radikal, dass es Christen abstößt. Manchmal erscheint Toleranz unmöglich.
Ideale sind desto weniger verhandelbar, je gewisser sie sind. Irgendwann kommt der Punkt, an dem Menschen ihre Ideale mit Gewalt zu verteidigen bereit sind - auch wenn dies fast immer der falsche Weg ist.
Wer meint, er spare sich Ärger, wenn er seine Religion ganz aufgibt, denkt zu kurz. Mit der Religion legt er das Einzige ab, was ihn mit den anderen verbindet: das Wissen um den eigenen Absolutheitsanspruch.
Keine Toleranz ohne Gottesglauben?
Mit diesem Wissen geht auch der Respekt für die religiöse Gewissheit der anderen verloren. Der Aufklärungsphilosoph John Locke (1632-1704) meinte aus diesem Grund sogar: Zu wahrer Toleranz seien Menschen, die die Existenz Gottes leugnen, nicht fähig.
Religionen wandeln sich. Sie durchdringen sich im Zeitalter der Globalisierung schneller, als sie es je zuvor taten. Und sie lernen voneinander. Fernöstliche Religionen zeigen sich vom monotheistischen Gleichheitspostulat beeindruckt.
Christen lernen fernöstliche Meditation. Dennoch werden die verschiedenen Religionen wohl nie ganz zueinanderfinden. Gegensätze werden immer bleiben: verschiedene Gewissheiten darüber, wie das Absolute beschaffen ist, an das man glaubt. Und wie man sich ihm nähern soll.
Religionen werden immer um die Herzen der Menschen wetteifern, das ist gut so. Bitter ist nur, dass sich immer wieder Menschen mit ihren Gewissheiten an den Rand gedrängt fühlen. Und dass sie keinen anderen Ausweg sehen, als mit Waffengewalt um ihre Identität zu kämpfen.
Glauben alle an einen Gott? Der Jude an der Klagemauer hat recht: Ja, wir sind Geschwister. Nur leider vergessen wir es. Nicht nur manchmal, sondern viel zu oft.
Burkhard Weitz

Kommentare: 6
Jon 1,5 Und die Seeleute fürchteten sich und schrieen, ein jeder zu seinem Gott; und sie warfen die Geräte, welche im Schiffe waren, ins Meer, um sich zu erleichtern. Jona aber war in den unteren Schiffsraum hinabgestiegen, und hatte sich hingelegt und war in tiefen Schlaf gesunken.
Jon 1,6 Und der Obersteuermann trat zu ihm hin und sprach zu ihm: Was ist mit dir, du Schläfer? Stehe auf, rufe
deinen Gott an! vielleicht wird der Gott unser gedenken, daß wir nicht umkommen.
Es gibt zwar nur einen wahren Gott, nämlich JHWH der sich in Jesus Christus uns Menschen offenbarte. Dennoch gibt es gefallene Engel die die Bezeichnung Gott (Älohim) tragen. Es sind Damonen, die Religionen stiften. Es sind Götter, die Israel schon nicht neben dem wahren Gott haben durften.
Ach wie schon, dass wir Christen an den einzig wahren Gott glauben dürfen.
Wenn jemand an "etwas" anderes glaubt, stimmt ja schon das erste Gebot nicht mehr.
ICH bin der Herr dein Gott, du sollst keine anderen Götter haben neben mir.
Brauche ich etwas anderes?
Nein !!!
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah.
Ben Kalenol hat es in seinem ersten Satz schon richtig erkannt.
Der Jude von der Klagemauer hat nicht Recht, es sei denn, er erfüllt den Willen meines Vaters; denn, wer den Willen meines Vaters erfüllt, ist meine Schwester, mein Bruder, oder meine Mutter.
Der Gott, der alleine weise ist, sei gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit.
Die Antwort ist Jesus, denn er ist das Fundament.
Es ist nur so, dass es missgünstig aufgefasst werden kann.
Er könnte natürlich meinen, dass jeder mit seinem eigenen (Nicht-)G-tt auch den einzigen G-tt anbetet, was aber unsinnig ist. Er könnte natürlich meinen, dass wir, weil wir Brüder sind, alle aus einer vereinten Familie stammen, die sich nur manchmal streitet und die nicht auch bis in Ewigkeit getrennt sein wird - aber auch das ist unsinnig.
Man darf aber auch so frei sein und seine Stellungnahme gegen Nutzen und Interesse des Reporters und des Schreibers von Chrismonblog auslegen:
Es sind viele Menschen, und für alle ist der eine und einzige G-tt, auch wenn ihn viele noch nicht anerkennen, sondern ablehnen. Es macht nichts, wenn auch der Reporter kein Jude ist, denn als Nicht-Jude kann er ebenso dem Heiligen Israels dienen, wenn er die noachidischen Mitzwot befolgt, denn Er ist nicht nur ein G-tt der Juden, sondern auch der Nicht-Juden. Wir sind alle Brüder, denn wir sind alle von Adam, wir sind alle von Noach, wir haben alle einen Ursprung: den Schöpfer.
Insofern sind wir Brüder, auch wenn wir es aus christlich-geistlicher Perspektive nicht sind, da wir nicht den gleichen Weg gehen und uns nicht das Wichtigste vereint. Aber dennoch - oder nicht?
Ich zitiere mich aus "Können Christen und Muslime miteinander beten":
Meine Einschätzung ist, wie es hier wenig Zustimmung finden sollte, die, dass weder Christen, noch Juden, noch Muslime gemeinsam vor den Ewigen treten können, da sie an den Punkten, wo sie gleichsam eins erscheinen mögen, auch schon wieder völlig sich unterscheiden und getrennte Wege gehen, die nicht zusammengefügt werden können und dürfen.
Es ist nicht möglich, dass Christ mit jenen Gebetszugang zu G-tt sucht, die - nicht - die Notwendigkeit kennen, die Christen als verpflichtend sehen: Ohne den Sohn als geglaubten Heiland-G-tt kein Zugang zum Vater.
Es ist nicht möglich, dass der Jude mit dem Christen betet, da er keinen priesterliche Vermittlung zwischen G-tt und Mensch benötigt, auch nicht von G-tt-Mensch-Jesus, was aber zur absoluten Grundlage des Christentums gehört, denn dieses erkennt den Juden auch den Vater ab, da es den Sohn nicht hat.
Es ist nicht möglich, dass Moslems mit Jud und Christ beten, denn diese sprechen ebenfalls den Wahrheitsgehalt der beiden Richtungen ab und setzen etwas Neues. Auch scheint es etwas unsinnig, wenn wir drei mal täglich in unserer Amida bitten, der Tempeldienst möge in seiner Herrlichkeit nach Zion zurückkehren, uns die Auseinandersetzungen um den Felsendom anschauen und dann so spielen, als seien wir beide, wie auch die Christen, monotheistische Brüder, die ja eigentlich an den gleichen G-tt glauben.
Ein Jud', Christ und Muselmann vereint von Gotthold Ehpraim Lessing - das ist wohl eher ein närrischer Nathan, als ein weiser, denn einen solchen hat der Heilige sicher - nicht - gegeben, auch wenn's der Name sagt.
Wir schaffen nichts Gutes mit einer falschen Toleranzideologie, wenn wir, wie er es scheinbar tat, ein viertes Konzept über die anderen drei stülpen und proklamieren, die Weisheit hätte eine Vollendung erlangt, der wir nun anhängen, einem jüngst erkämpften Fortschritt, der nur unserer hochgelobten (Wiege der) Zivilisation entspringen kann. Und das ist das, was als Selbstgefälligkeit aller niedergegangenen Mächte verhöhnt und verlacht wird. Merke: auch unsere moderne Welt ist nur ein "Reich" von vielen. Wer wird über uns triumphieren?
Abgesehen davon, dass Toleranz vom lateinischen tolerare sowieso nur ertragen, erdulden, erleiden bedeutet, ist diese Toleranzideologie, die besonders in den Schulen vermittelt wird, ein lediglich anderes, in sich intolerantes und forderndes System, das die anderen neben sich eben - nicht - duldet.
Und diese Duldung, auch wenn es nicht zur annehmenden Akzeptanz kommt, soll geschehen dem Juden, dem Christen, dem Moslem - und sowieso jedem Menschen, denn bnej Adam, Söhne Adams, Menschensöhne sind wir ohnehin alle, auch wenn wir getrennte Wege gehen, die sich - nicht - vereinen lassen, da es keine Einigkeit in grundlegenden Fragen gibt, geben wird und geben kann.
Das hat weder mit Intoleranz, noch mit Uneinsichtigkeit, noch mit Beschränktheit zu tun, denn risse man hier die Schranken ein, wäre die jeweilige Kultur in sich zerstört - oder um es gemildert zu sprechen: schwammig und verwischt, unklar und undeutlich.
Also bitte ein duldendes Nebeneinander ohne schlechte, heuchlerische und falsche Kompromisse, die verschiedene Anschauungen lediglich korrumpieren und verderben.
Auch ohne das "Diktat der Toleranz und des Relativismus" muss es nicht zu einer Kriegsführung gegeneinander kommen.