Was ist eine Sünde?
„Du bist eine Sünde wert", heißt der Titel eines verheißungsvollen Buches - und er weckt gleich zwei Assoziationen: Hier geht es entweder um Sex oder aber ums Schlemmen.
Die Vermutung trügt - es geht nämlich um beides, um sexuelle Verführung auf dem Umweg über die Kochkunst.
„Unter Sünde verstehen die meisten Leute einen Verstoß gegen den Diätplan", sagt der Paderborner Theologe und Therapeut Eugen Drewermann. Ganz offensichtlich trifft er damit ins Schwarze.
Konditorei-Sünden
Selbst Zarah Leanders Lied „Kann denn Liebe Sünde sein?" erreicht heute nicht mehr den Zitationsrang wie die Sünde, die in Konditoreien oder im Schnellimbiss begangen wird.
Von der „lässlichen Sünde" des Tortenessens bis zur „Todsünde" der falschen Ernährung belastet heute eine Vielzahl an Fehltritten das Gewissen der Menschen und macht Bußübungen in Form von Waldläufen und Fitnesskursen nötig.
Die monotheistischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) haben ein durchaus ernsteres Sündenverständnis. In diesen Religionen tritt Gott den Menschen persönlich entgegen - mit seiner Liebe und seinen Forderungen, mit Güte und gelegentlich mit Zorn.
Zwischen Gott und Mensch gibt es eine individuelle Beziehung. Kündigt der Mensch diese Beziehung auf, begeht er die eigentliche, die größte Sünde: die der Abkehr von Gott.
Sünde als gestörte Beziehung zu Gott
In diesem Sinne kann man sogar sagen, dass es nur eine Sünde gibt: die Störung oder Zerstörung des Verhältnisses zu Gott. In den Zehn Geboten des Alten Testaments beziehen sich nicht zufällig die ersten drei auf den Glauben an Gott, dann folgen die anderen Verhaltensnormen: zum Beispiel die Achtung des Lebensrechts und des Eigentums anderer, die Fürsorge für die Eltern, die Wahrhaftigkeit.
Eine Sünde zieht immer die Beziehung zu Gott in Mitleidenschaft. Wie das? Einerseits gelten die wichtigsten Normen als von Gott gestiftet, andererseits besteht zwischen Gott und Mensch ein Treueverhältnis, wie es in der Bibel besonders schön im Bundesschluss Gottes mit Noah und den Überlebenden der Sintflut erzählt wird, wenn Gott verspricht, nie wieder Mensch und Tier zur Strafe zu ertränken (1 Mose, 9).
Im umgangssprachlichen Sinn ist die Sünde hingegen meistens eine Einzeltat. Gerade die katholische Kirche hat der Verbreitung dieser Auffassung Vorschub -geleistet, vor allem durch ihre Beichtspiegel, detaillierte Regelwerke zur Erforschung des Gewissens.
Manche Erwachsene kommen ein Leben lang nicht von diesem tatorientierten Sündenverständnis weg. Hier sind die konfessionellen Unterschiede besonders deutlich. Während Katholiken beim Thema Sünde stärker die einzelne Tat im Blick haben, betonen Protestanten die „sündige" Grundstruktur der Schöpfung.
Erbsünde-Lehre ist folgenreiche Verengung
Das hat mit der ersten Sünde der Menschen im Paradies zu tun, mit Adams und Evas Aufbegehren gegen den Willen Gottes. Paulus, der Theologe des Neuen Testaments, brachte es so auf den Punkt: Die Fehlhandlung eines Einzelnen, nämlich des Adam im Paradies, führte dazu, dass alle Menschen sterben müssen; die Erlösungstat eines Einzelnen, nämlich Jesu Tod am Kreuz, bringt allen das Leben zurück (Römerbrief 5, 18).
Im Vergleich dazu stellt die Erbsündenlehre des Augustinus (354-430), des einflussreichsten Theologen des ersten Jahrtausends, eine fragwürdige, folgenreiche Verengung dar. Danach übertragen Sexualität und Zeugung die Sünde Adams von Generation zu Generation. Es gibt kein Entweichen aus dieser sündigen Verstrickung.
Dass die Liebe zwischen Menschen eine von Gott geschaffene und gewollte Urkraft des Lebens ist, konnte Augustinus so nicht sehen. Erfreulicherweise verliert seine Erbsündenlehre an Bedeutung.
Sieben „Todsünden" soll es geben - doch sind sie keine Sünden im eigentlichen Sinn, sondern schlechte Charaktereigenschaften: Hochmut, Geiz, Neid, Zorn, Wollust, Völlerei und Trägheit.
Tödlich an ihnen ist, dass sie die Beziehung zu Gott zerstören können. Katholisch gesprochen: Mit einer Todsünde auf dem Gewissen führt der Weg unweigerlich in die Hölle.
Evangelisch gesprochen: Es ist wohl kaum „eine Sünde wert", wenn der eigene Glauben zur Disposition steht. Eine neue Speckrolle auf der Hüfte wiegt da weniger schwer.
Eduard Kopp

Kommentare: 7
Hallo Spitzweg, mit dem Ausdruck größten Bedauerns, muss ich dir leider mitteilen, dass es einen Artikel "Was ist Sünde?" gibt, im Gegensatz zu dem Artikel: "Was ist eine Sünde?" Schau dort nach.
Bitte nicht anklagen. Ich verzichte auf eine Antwort.
Gloria in exelsis Deo.
Also: Was ist die Bedeutung des hebräischen Wortes für "Sünde"? Wie hat sich sein Gebrauch während der Entstehungszeit der Bibel verändert? In welchen Zusammenhängen wurde es noch benutzt?
Hallo Spitzweg,
hier aus der Strong Concordance das Wurzelwort für Sünde in hebräisch ist khä·tä' (Aussprach Key)
und bedeutet soviel wie:
to sin, miss, miss the way, go wrong, incur guilt, forfeit, purify from uncleanness
a) (Qal)
1) to miss
2) to sin, miss the goal or path of right and duty
3) to incur guilt, incur penalty by sin, forfeit
b) (Piel)
1) to bear loss
2) to make a sin-offering
3) to purify from sin
4) to purify from uncleanness
c) (Hiphil)
1) to miss the mark
2) to induce to sin, cause to sin
3) to bring into guilt or condemnation or punishment
d) (Hithpael)
1) to miss oneself, lose oneself, wander from the way
2) to purify oneself from uncleanness
Hier aus dem Neuen Testament:
Rom 8,1-6 Wer nun mit Jesus Christus verbunden ist, wird von Gott nicht mehr verurteilt. Denn für ihn gilt nicht länger das Gesetz der Sünde und des Todes. Es ist durch ein neues Gesetz aufgehoben, nämlich durch das Gesetz des Geistes Gottes, der durch Jesus Christus das Leben bringt. Wie ist es dazu gekommen? Das Gesetz konnte uns nicht helfen, so zu leben, wie es Gott gefällt, weil wir, an die Sünde versklavt, zu schwach sind, es zu erfüllen. Deshalb sandte Gott seinen Sohn zu uns. Er wurde Mensch und war wie wir der Macht der Sünde ausgesetzt. An unserer Stelle nahm er Gottes Verurteilung der Sünde auf sich. So erfüllt sich in unserem Leben der Wille Gottes, wie es das Gesetz schon immer verlangt hat; denn jetzt bestimmt Gottes Geist und nicht mehr die sündige menschliche Natur unser Leben. Wer seinen selbstsüchtigen Wünschen folgt, der bleibt seiner sündigen Natur ausgeliefert. Wenn aber Gottes Geist in uns wohnt, wird auch unser Leben von seinem Geist bestimmt. Was unsere alte, sündige Natur will, bringt den Tod. Regiert uns aber Gottes Geist, dann schenkt er uns Frieden und Leben. Und da geht es noch weiter!!!!
Sünde ist damals wie heute die gleiche zerstörerische Kraft und Bedarf keiner neuen Definition! Das Resultat von Sünde bewirkt Tod. (immer) Und das Resultat des Glaubens an Jesus bewirkt Leben, immer! Lies die Bibel und Du findest darin alle Sünden die auch heute begangen werden. Deshalb kam Jesus um uns von dieser Macht der Sünde zu befreien. Zum ernsthaften Studium gehören die Bibel, die sich selbst erklärt, wenn man verschieden Texte miteinadner vergleicht, gute Bücher von Menschen die nicht Ihre Auslegungen finden wollen, sondern es wirklich darum geht, was Gott zu sagen hat!
Viel Spaß
1 Johannes 5:17 ...
Natürlich ist jedes Unrecht Sünde
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Ist schon wie es Jeruscha schreibt: Missing the mark....das Ziel verfehlen....
Das Dumme an der ganzen Sache ist, daß der Mensch, so wie er ist, das Ziel mit _ABSICHT_ verfehlt.
Er will nichts von Gott hören oder wissen.
Gott selbst musste eingreifen ... Joh 3:16
Ich grüße herzlich.
Franz Josef Neffe