Wahrʼ Mensch und wahrer Gott

... so wird Jesus zu Weihnachten besungen. Dass Jesus als Mensch über die Erde lief, kann man sich ja noch vorstellen. Aber als Gott?

 Als Marie Madeleine Cinquin wuchs sie auf. Ihr Vater, ein wohlhabender französischer Kaufmann, starb, als sie sechs war. Ausgelassen erlebte sie die zwanziger Jahre. Doch mit 23 ging sie ins Kloster, unterrichtete in Tunesien, im Libanon und Ägypten höhere Töchter und Diplomatenkinder. Mit 63 Jahren zog sie in eine Hütte nahe einer Kairoer Mülldeponie und gründete eine Schule. Sie war 85, als sie nach Frankreich zurückkehrte. Mitte Oktober 2008 starb sie fast hundertjährig, inzwischen von vielen Franzosen als eine Art Heilige hoch verehrt.

Ein Leben in der Nachfolge Jesu, so nennen Theologen den Weg, für den sich Schwester Emmanuelle entschieden hatte. Wie die Jünger, die vor 2000 Jahren Jesus nachfolgten, lebte auch sie: „arm wie der Ärmste, gering geachtet wie der geringe Mann aus dem Volke", schrieb der dänische Existenzphilosoph Søren Kierkegaard (1813-1855). Als Christ müsse man „mit Jesus gleichzeitig werden", hatte Kierkegaard gefordert. Denn wer diesem Jesus aus Galiläa, diesem Jesus von damals begegne, könne unmöglich sein selbstzufriedenes bürgerliches Leben fortführen.  

Jesus sei wahrer Mensch und wahrer Gott, formulierten die Bischöfe auf dem Konzil zu Chalkedon (451 n. Chr.) und erklärten dazu: Jesu „göttliche und menschliche Natur" seien unvermischt, unverwandelt, ungetrennt und ungesondert. 

Natürlich kann so ein Konzilsbeschluss falsch sein. Trotzdem lohnt es sich, ihn in heutige Sprache zu übertragen. Vielleicht kann man ja etwas daraus lernen. 

Wie man sich Jesus vorstellt, so lässt sich die Lehre von Chalkedon übersetzen, kann verschieden sein. Man kann in ihm das menschliche Vorbild sehen oder den göttlichen Helfer und Erlöser. Das Konzil von Chalkedon hieß beide Jesusbilder gut, und damit auch verschiedene Konsequenzen, die man daraus als Christ zieht. 

Schwester Emmanuelle hat, wie die Jünger, dem Menschen Jesus von Nazareth nachgeeifert. Das Neue Testament erzählt aber auch von Kranken, Bettlern und Sündern, die Jesus anflehten: „Sohn Gottes, erbarme dich." Ihnen wandte sich Jesus zu und sagte: „Kommt her zu mir, die ihr mühselig und beladen seid." 

„Wahr' Mensch und wahrer Gott, / hilft uns aus allem Leide / rettet von Sünd' und Tod", heißt es in dem Weihnachtslied „Es ist ein Ros entsprungen". Man kann Jesus wie ein Bettler begegnen, der nichts in der Hand hat. Oder wie ein Sünder, der sein Versagen zugibt und um Vergebung bittet. Wer seinen Glauben so versteht, mag mit sich und anderen nachsichtiger umgehen  - auch ohne dass er seine ethischen Grundsätze relativiert oder abschwächt. 

Das Konzil von Chalkedon unterschied beide Jesusbilder scharf: Jesus sei kein Mischwesen aus Gott und Mensch, heißt es. Gott und Mensch müsse man deutlich voneinander unterscheiden. Trotzdem besteht die Konzilslehre darauf, dass sich beide Seiten Jesu nicht auseinanderdividieren lassen. Auch beide Weisen, Jesus zu begegnen, gehören ja untrennbar zusammen. Schwester Emmanuelle sah sich selbst nie als Heilige. Umgekehrt kann der schlimmste Verbrecher sich edel verhalten und ein eindrucksvolles Vorbild in Sachen Christusnachfolge abgeben. 

Heute empfinden viele Menschen die Forderungen, seinen Nächsten und seine Feinde zu lieben, als Ding der Unmöglichkeit. Viele Theologen deuten daher die Lehre von Chalkedon anders als Christen in der Antike. Sie sagen, in Jesu Ethik zeige sich nicht nur das menschliche Vorbild, aus ihr spreche Gott selbst. Sie meinen: Nicht ein Mensch hat sich diese Liebesforderung ausgedacht, sondern sie ist universell, sie gilt immer und überall - auch wenn sie kaum einzulösen ist. 

Viele Menschen können heute wenig damit anfangen, dass ein allmächtiger, ferner Gott ihr Leid lindern könne. Theologen betonen daher: Gerade als Mensch ist Jesus uns nahegekommen. Gerade weil ihm kein Leid fremd war und weil er sich mit unserem Leid solidarisierte, ist er uns zum Helfer und Erlöser geworden. 

Man kann die Lehre von Chalkedon gerne umdeuten, ihre Formel „Wahrer Gott und wahrer Mensch" ist nach wie vor hilfreich. Für Christen bleibt Jesus auch heute noch beides: Vorbild und Erlöser. 

Burkhard Weitz 

Kurt E. Sievers
am 11. Dezember 2008 um 19:46
Nanu Bruder Weitz, du redest ja genau wie Martin Luther.
xx Natürlich kann so ein Konzilsbeschluss falsch sein. xx Gut so, aber geh nicht zu weit, sonst lesen wir demnächst, dass auch Päpste irren können.
Die "Glaubenskongregation" lässt grüssen.
Ja, Jesus ist ahrer Mensch und wahrer Gott.
Jürgen Sievers
am 30. Januar 2009 um 01:26
Wahrer Mensch und wahrer Gott ?
Aber selbstverständlich.
Nichts ist unmöglich für Gott.
Könnte Gott mich einen Meter über der Erde halten für ein Jahr, Krähen kommen und bringen mir zu essen ?
2 Korinther 5:7 gibt die Antwort oder frag Elijah.
Ich habe kein Problem Gott zu glauben. Das habe ich gemerkt wie Er mir den Heiligen Geist,
sozusagen schon als Anzahlung gab. Der Geist Gottes macht lebendig.
Was mich wundert ist nicht da ich gerettet wurde sondern das überhaupt einer gerettet wird,
denn verdient haben wir ganz was anderes.
Gott sei Dank ist Gott Liebe.
Kann ich wahrer Gott und Mensch sein ? NEIN !!!
Um es mal ins menschliche zu übersetzen: Jesus zog sich den Mantel der Menschheit an
über seine Heiligkeit. So wie wir uns einen Mantel anziehen.
Jetzt war Er verwundbar.
Jetzt konnte Er nicht mehr durch eine geschlossene Tür kommen.
Das Lied sagt: (Amazing grace)
When we've been there ten thousand years, bright shining as the sun.
We've no less time to sing God's praise then when we first begun.
```````````````````
Sehr gut gesagt John Newton.
ICH werde die ersten zehn Tausend Jahre benutzen Jesus zu danken.
```````````````````
Es ist nicht Kirchen Mitgliedschaft was mich gerettet hat, oder Tradition,
oder meine Eltern oder der Pastor (der kann sich selbst nicht retten), sondern Jesus.
Kennst du Ihn ? Johannes 17:3
Klaus-Peter Kolbatz
am 23. April 2009 um 17:26
Psychische Erkrankungen aus religiöser und wissenschaftlicher Sicht
Sehr geehrte Damen und Herren,
bitte sehen Sie sich einmal folgende Seiten an:
http://www.burnoutforschung.de/psychische-erkrankungen.html
Von besonderem Interesse dürfte für Sie aber auch der Abschnitt auf folgende Seite sein:
http://www.klimaforschung.net/mystisches/seele.htm#Botschaft-von-Gott
Weiter unten finden Sie das Gesicht von Gott und darunter auch "Jesus Christus, Sohn Gottes mit Menschlichem Antlitz"! ? Die Menschwerdung Gottes stellt eine theologische, dogmatische Lehre des Christentums dar. Sie gehört zum Kern verschiedener christlicher Glaubenstraditionen.
Ihre Meinung ist für mich von besonderer Bedeutung und verbleibe mit
freundlichen Grüßen
Klaus-Peter Kolbatz
kolbatz@web.de
Titiseestr. 27
D-13469 Berlin

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