Kann man glauben lernen?
So viel und so wenig, wie man lernen kann, zu lieben und zu hoffen. Aber man kann dem Glauben eine Chance geben
Kann man lieben lernen? Zumindest kann und sollte jeder lernen, wie man eine Partnerschaft pflegt: indem man auf Vorwürfe verzichtet, für Fehler um Entschuldigung bittet und dem Partner verzeiht. Indem man Konflikte mit Worten löst, zuhört und offen über Sex und Geld redet. Und indem man die Persönlichkeit des anderen akzeptiert, wie sie ist.
So steht es in psychologischen Ratgebern. Dennoch: Selbst wer all diese Ratschläge befolgt, liebt noch lange nicht. Es ist Liebe, wenn man bei allem, was man für den Partner tut, einem Impuls der Zuneigung folgt. Und den lernt man nicht. Man kann sich bemühen, dass die Liebe eine Chance hat. Doch was man eigentlich „Liebe" nennt, fällt einem zu - oder nicht.
Kann man glauben lernen? Dazu muss man sich erst darüber verständigen, was Glaube überhaupt ist. Für die hebräisch- und griechischsprachigen Menschen des Alten und Neuen Testaments war das ein ganz anderes Thema als für uns. Das hebräische Wort für Glaube, ämunah, und das griechische Wort pistis können auch „Treue" oder „Wahrhaftigkeit" bedeuten.
Anders als moderne Menschen fragten sich die Menschen der Bibel nicht, ob es einen Gott gibt. Sie setzten Gottes Existenz voraus. Glaube hieß für sie, Gott treu zu sein und sich an seine Gebote zu halten: dass man Gedemütigte tröstet, zu Fremden gastfreundlich ist und Notleidenden hilft. Im Deutschen nennt man den Gottesfürchtigen daher fromm - was ursprünglich hieß, dass man ihn an seiner Rechtschaffenheit und Unbescholtenheit erkennt.
Ein in diesem Sinn gottesfürchtiger Mensch zu sein - das kann man lernen. Zum Beispiel, indem man Menschen Aufmerksamkeit schenkt, auch wenn sie die eigene Tagesplanung mit ihren Problemen durchkreuzen und Zeit beanspruchen, die man angenehmer verbringen könnte.
Wer sich mit netten Menschen umgibt, zu denen er immer freundlich ist, mag unbescholten sein. Aber deswegen glaubt er noch lange nicht. Vielleicht ist er ja nur aus purem Eigennutz so! „Meinst du, dass Hiob Gott umsonst fürchtet?", fragt Satan den Allerhöchsten (Hiob 1,9-10): „Du hast das Werk seiner Hände gesegnet, sein Besitz hat sich ausgebreitet im Lande. Aber strecke deine Hand aus und taste alles an, was er hat: Was gilt's, er wird dir ins Angesicht absagen!" Nur solange es ihm gutgeht, werde Hiob gottesfürchtig sein, unterstellt der himmlische Ankläger.
Tatsächlich kann es desto schwieriger werden, Gott für sich zu entdecken und treu zu bleiben, je verzweifelter die eigene Lage ist. Das biblische Buch Hiob beschreibt die Not als Testfall, an dem sich zeigt, wie es um Hiobs Glauben wirklich bestellt ist. Glaube immunisiert nicht gegen das Elend. Er kann verhindern, dass einen die Not verbittert. Er kann sich als Hoffnung, Lebensmut und Widerstandsgeist zeigen, wenn man nichts mehr zu verlieren hat. So ein Glaube lässt sich nicht lernen, er ist dann einfach da.
Der Theologe Dietrich Bonhoeffer beschrieb seinen Glauben im Widerstand gegen die Nazis so: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will. Dafür braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen. Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage so viel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im Voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein. Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist, mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten. Ich glaube, dass Gott kein zeitloses Fatum (Schicksal) ist, sondern dass er auf aufrichtige Gebete und verantwortliche Taten wartet und antwortet."
Man kann sich solche Worte einprägen. Man kann versuchen, der Zusage zu vertrauen, dass Gott auch aus dem Bösesten Gutes schaffen kann und will. Aber man kann nur hoffen, dass man dann aus allem das Beste macht. Und dass im Ernstfall in einem wirklich die nötige Widerstandskraft dafür heranwächst. Man kann nur beten, dass man den Glauben hat, wenn es auf ihn ankommt. Erzwingen kann man ihn so wenig wie die Liebe.
Burkhard Weitz

Kommentare: 4
Ja, man kann Dietrich Bonhoeffer nur zustimmen. Wobei gesagt werden muss, dass Gott uns nur soviel Lasten aufbürdet, wie wir auch tragen können.
Wir sollten uns IMMER von Gottes Geist leiten lassen; denn, alle, die sich von Gottes Geist leiten lassen, sind Gottes Kinder.
Amen.
Ich glaube wenn ich mich auf den Stuhl setze hält er mich.
Habe auch noch nie jemand gesehen der an der Kennedybrücke ausstieg um zu sehen ob sie ihn hält.
ich glaube daß die Linie 3 genau um 8:10 ankam an der Haltestelle und der nächste wieder 10 Minuten später.
Ich glaube daß meine Hand verbrennt wenn ich sie auf die heiße E-Flamme lege.
Alles angelernt.
Wenn es aber an geistlichen Sachen geht ist das was anderes....
Wie z.B. Epheser wo es sagt: Denn nur durch seine unverdiente Güte seid ihr vom Tod errettet worden. Ihr habt sie erfahren, weil ihr an Jesus Christus glaubt. Dies alles ist ein Geschenk Gottes und nicht euer eigenes Werk
Siehst du wo es sagt: Dies alles ----weißt du was Gott damit meint? "Dies alles" .....
der Glaube an geistliche Sachen, er heilte die Blinden, die gelähmt waren konnten wieder gehen, die Toten sind wieder auferstanden, geboren von einer Jungfrau, wieder auferstanden von den Toten ..... DIES ALLES muß Gott dir schenken.
Glaube ich das ?
Johannes 1:12+13: ..... ]Die ihn aber aufnahmen und an ihn glaubten, denen gab er das Recht, Kinder Gottes zu werden.
13 Das wurden sie nicht, weil sie zu einem auserwählten Volk gehörten, auch nicht durch menschliche Zeugung und Geburt. Dieses neue Leben gab ihnen allein Gott.
Dieses ist Glaube der von Gott kommt ! Das sind Menschen die von Neuem geboren sind.
Hebräer 11:6: Denn Gott hat nur an den Menschen Gefallen, die ihm fest vertrauen. Ohne Glauben ist das unmöglich
dann, und nur dann stimmt diese Stelle in der Bibel:
Dann wird euer Leben hell und makellos sein, und ihr werdet als Gottes vorbildliche Kinder mitten in dieser verdorbenen und dunklen Welt leuchten wie Sterne in der Nacht.
Ist das nicht herrlich???
Leute wie Paul Watzlawick haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass der Mensch nicht nicht lernen kann. Das heißt anders herum: wir lernen immer und in allem, was wir tun. Wenn wir spielen, lernen wir viel mehr als spielen, wenn wir glauben, lernen wir viel mehr als glauben. Wenn wir lieben, lernen wir viel mehr als lieben. das Meiste allerdings IM UNBEWUSSTEN.
Da wir aus bestimmten Gründen das Unbewusste tabuisiert haben, lernen wir sozusagen "für die Katz". Wir erwerben Erfahrungen aber schauen sie uns nicht an. Wir "vergessen" sie. Dabei würde sie uns das Unbewusste jederzeit wieder zur Verfügung stellen, wenn wir nur zu einem halbwegs normalen Umgang mit ihm finden würden. Als Ich-kann-Schule-Lehrer erforsche ich diese Möglichkeiten seit 35 Jahren.
Ahd. bedeutet "galaubjan" = "für lieb halten" und das lat. "cre.do" heißt "ich gebe mein Herz". Nun frage ich: Wie oft füttern wir am Tag unseren Körper und stärken seine Kräfte? Und wie oft füttern wir Geist und Seele und stärken deren Kräfte?
GLAUBEN ist lebendiges Leben; wir aber haben durch PPP = perfekte Papier-Pädagogik verlernt, original zu leben. Wir fügen uns, wie dressiert, in vorbereitete Schablonen ein und erliegen dem Irrtum, das sei Leben. In unserem Bewusstsein nehmen eigentlich nur noch das Unwesentliche auf, das Wesentliche, aus dem wir Kraft schöpfen könnten, bleibt uns unbewusst. So verlaufen unsere Lernprozesse zweischichtig - bewusst und unbewusst, und beides passt nicht zusammen; darum sind wir so zerrissen.
Wir sollten erst einmal aufpassen, was wir beim Glauben lernen, dann kann sich daraus ein Weg finden, glauben zu lernen. Ich wünsche guten Erfolg dazu.
Franz Josef Neffe
Ganz gewiss kann man GLAUBEN LERNEN, nicht den Glauben aber das Glauben. Als Ich-kann-Schule-Lehrer werfe ich dafür erst einmal zwei Blicke ins Herkunftswörterbuch:
LERNEN kommt wie LEHREN von germ. LAISTI = FÄHRTE. Man lernt, indem man eine Färhte verfolgt und ErFAHRungen sammelt. Und wenn das einen wirklich fasziniert, dann werden andere aufmerksam und interessieren sich, Dir von sich aus zu folgen: exakt dann bist Du LEHRER. So habe ich es in der neuen Ich-kann-Schule definiert. Ich bin Lehrer. Ich-kann-Schule-Lehrer.
Glauben - von germ. GA-LAUBJAN = FÜR LIEB HALTEN - wirkt sofort, wenn man es tut. Darum sage ich zum Beispiel in der Ich-kann-Schule: "Ich glaub an Dich. Schließ Dich mir an, dann sind wir schon zwei!" Spürst Du wie tief belebend es wirkt? Wenn ich Dir diese zwei kurzen Glaubenssätze sage oder wenn Du sie liest, können wir bei Dir sofort eine deutliche Verbesserung aller Lebensfunktionen messen; es lässt sich gar nicht vermeiden. Wenn Du das einmal konkret beusst erlebt hast, danbn kannst Du von glauben gar nicht genug bekommnen. Da ich alle Deine Talente FÜR LIEB HALTE, strahle ich ihnen das entgegen; das ändert die Atmosphäre. Der Ich-kann-Schule-Satz 2008 sagt Dir, was dabei passiert: "Wenn ich Deine Talente BESSER behandle als du, mögen sie mich und folgen mir lieber als dir." Wie oft sehnen wir uns doch nach Einfluss, verlieren ihn aberstatt ihn zu gewinnen. Wenn Du es konkret prüfst, wirst Du immer denselben Grund dasfür finden: Wir haben nicht einmal GLAUBEN so groß wie ein Senftkorn. Ohne Glauben geht es nicht - außer Du glaubst es, einfach so.
Ich grüße freundlich.
Franz Josef Neffe