Erzählt die Bibel lauter Mythen?
Die Menschen der Antike liebten Fantasiegeschichten. Über Götter und Fabelwesen, über Ungeheuer und Kugelmenschen. In der Bibel geht es etwas anders zu
Mutter Gaia (Erde) hat es so gewollt. Sie reicht ihrem Sohn Kronos die Sichel. Der wartet, bis sich Vater Uranos (Himmel) bei seinem nächsten Liebesakt über die Gaia ausbreitet. Dann schwingt Kronos das scharfe Eisen und trennt Uranos’ Penis ab. Im hohen Bogen fällt er zu Boden. Blut fließt auf die Erde. Ihm entsteigen die Erinnyen, die Rachegöttinnen.
Unmöglich, ohne jeden erzieherischen Wert fand der Philosoph Platon diese Erzählung! Der Mythos von Kronos wird sogar noch wüster. Später vergewaltigt er seine Schwester Rheia. Sie gebiert Kinder und setzt sie ihm au f die Knie. Doch er frisst sie alle auf. Ihr nächstes Kind, Zeus, versteckt Rheia auf Kreta und gibt Kronos stattdessen einen in Windeln gewickelten Stein zum Fraß. Zeus wächst heran, und schließlich besiegt er Kronos, der erst den Stein und dann die übrigen Kinder wieder ausspeien muss.
Erzählungen (griechisch: Mythen) wie diese dürften Unverständige und Kinder eigentlich gar nicht hören, lässt Platon seinen Lieblingsdenker Sokrates sagen. Wer genötigt werde, sie doch zu erzählen, dürfe nur wenige Zuhörer zulassen! Sie müssten Verschwiegenheit versprechen! Und geopfert haben, „und zwar nicht bloß ein Schwein, sondern ein großes und schwer zu erschwingendes Opfer – damit es möglichst wenige zu hören bekämen".
Platon lehnte Mythen nicht prinzipiell ab. Er dachte sich sogar selbst welche aus: den Mythos vom versunkenen Reich Atlantis. Und den vom Kugelmenschen, der zu Mann und Frau zerbricht und sich wieder vereinen will. Lehrreich sind seine Mythen – und nur begrenzt unterhaltsam.
Dennoch nahmen Juden und Christen Platons Mythenkritik begeistert auf. Kein Wunder: Göttersagen wie die der alten Griechen gibt es in der Bibel nicht. Fabelwesen wie das Meeresungeheuer Leviathan und der Urdrache Rahab treten nur am Rande auf. Engel in Gestalt überirdischer Wesen kommen (abgesehen von den Legenden um Jesu Geburt) eher selten vor. Richtig fantastisch wird es erst in den Visionen der Propheten und apokalyptischen Seher. So sind eben Visionen.
Mythos heißt übersetzt Erzählung. Mythen sind Science-Fiction der Antike. Sie geben Einblicke in menschliche Abgründe. Sie erzählen von dem zu sinnlosem Tun verdammten Sisyphus und vom unausweichlichen Schicksal des Ödipus, der den Vater töten und die Mutter heiraten muss. Sie sind Konzentrate menschlicher Grenzerfahrungen – an keine historische Zeit gebundene, erdachte Geschichten.
In diesem Sinne sind die biblischen Erzählungen keine Mythen. Denn sie beanspruchen, erlebte Geschichte zu erzählen. Nicht wie Historiker sie heute erforschen: objektiv und auf nachprüfbare Fakten gestützt. Die biblischen Erzähler ergreifen Partei, sie belehren und bewerten, manche berichten von großen Verheißungen. Und was sie berichten, ist oft so von Legenden überwuchert, dass der historische Anlass kaum noch zu erkennen ist.
Mose führt ein riesiges Volk aus der ägyptischen Sklaverei in die Freiheit und hält dabei einen Pharao mit seinem ganzen Heer zum Narren. Natürlich ist die Schilderung maßlos übertrieben, nichts davon findet sich in den ägyptischen Annalen wieder. Dennoch hatte sie aller Wahrscheinlichkeit nach ihren Ursprung in einer realen Begebenheit – als Gesetzlose und Sklaven dem Machtbereich des Pharaonenreiches entkamen. Die Autoren der Bibel stilisieren diese Befreiung zum nationalen Symbol, sie machen sie zu Israels Urerlebnis – und in diesem Sinne auch zu einem Mythos für alle Entrechteten, zum Konzentrat menschlicher Erfahrung. „Go down, Moses" sangen Amerikas Sklaven: „Geh zum Pharao, Mose, und sag ihm: Lass mein Volk frei!"
Nach elf Kapiteln mit Sagen aus der Urzeit erzählt die Bibel, wie das Volk Israel entsteht, sich ein Königreich erkämpft und dann alles verspielt. Sie archiviert düstere Prognosen von Unheilspropheten, die kultische Vergehen und soziale Ungerechtigkeit im eigenen Volk anprangerten – und eher selten Heil versprachen. Und sie verkündet den Wanderprediger Jesus von Nazareth, das „Ebenbild des unsichtbaren Gottes" (Kolosser 1,15).
Auch wenn die Bibel ihren historischen Stoff sehr ungenau wiedergibt: Sie schildert nicht Typen, sondern Individuen und deren folgenreiche Entscheidungen, richtige wie falsche. Es geht in ihr nicht um Mythen. Die Bibel erzählt, vor allem aber deutet sie reale Geschichte.
Burkhard Weitz

Kommentare: 4
>>Die Bibel erzählt, vor allem aber deutet sie reale Geschichtee.<<
Warum so ausschweifend und ungenau Herr Weitz?
Gab es Jesus? Ja oder Nein.
Jeder von uns kennt die Antwort! Jeder kann an dem Spiel "Ewiges Leben" teilhaben.
Glaube ich oder nicht?
Für mich ist es klar:
Am Anfang war das Wort Gottes, dem folgte der Glauben nach; dem Glauben die Liebe.
Amen
Gott wird sich den Ungläubigen nicht offenbahren.
Warum soll er auch. Nur um veräppelt zu werden ?
Mein Gott ist nicht nur mit mir sondern auch in mir.
(Joh. 14:17)JETZT werden mir die Augen geöffnet.
Jetzt verstehe ich zum ersten Mal klar und weiß was hier vor sich geht.
Ewiges Leben heißt Gott und Jesus zu kennen (Joh. 17:3)
Da helfen keine Drachen oder Mythos.
Es ist schon wie Sie zu anfang sagten:
Fantasiegeschichten.
Sieh es slber nach. Römer 7:24 + 25)
Denk daran.
NICHT JEDER DER SICH ZU CHRISTUS BEKENNT, KENNT JESUS !
· 2. Der christliche Glaube beruht auf der Bibel, aber wie ist die Bibel entstanden? Diese Frage wird auf diesem Portal beantwortet, beruht allerdings am Ende wieder auf einer subjektiven Annahme. Objektiv betrachtet, muss man erhebliche Zweifel an den Aussagen und Überlieferungen der Zeitzeugen haben.
· 3. Das alte Testament ist zumindest teilweise bereits wissenschaftlich widerlegt (z.B. Entstehungsgeschichte der Erde und des Menschen), damit verliert die Bibel fundamental an Glaubwürdigkeit. Wenn Jesus Gottes Sohn war, hätte er das dann nicht wissen und richtig stellen müssen?
· 4. Hat Jesus gelebt? Ich glaube ja. Aber war Jesus der Sohn Gottes? Nein. Er selbst hat es aber geglaubt, weil die Menschen um ihn herum ihn als solchen gesehen und verehrt haben. Wären die heiligen drei Könige auf ein anderes Neugeborenes gestoßen, hätten sie dieses als Sohn Gottes betrachtet und diesem Kind wäre eine besondere Behandlung widerfahren (anhaltendes Einreden der Messias zu sein). Wie eine besondere Behandlung (Gehirnwäsche) gerade junge Menschen formen und deren Glauben bilden kann, und was der Glaube anrichten kann, sieht man leider auch in radikalen Glaubensgemeinschaften. Selbstmordattentäter tun ihrem Glauben nach etwas Gerechtes.
· 5. Hat Jesus Wunder vollbracht? Die Bibel behauptet es, aber die Glaubwürdigkeit der Zeitzeugen und damit der Bibel wurde ja bereits an anderer Stelle behandelt. Jesus war seinerzeit hochgradig prominent und kann es da nicht sein, dass sich viele Leute damit schmücken wollten, etwas Besonderes (Wunder) mit ihm erlebt zu haben? Wäre es nicht langweilig gewesen, von einem Jesus zu erzählen, der außer predigen nichts gemacht hat, wo doch alle anderen von Wundern berichteten? Will jemand ernsthaft ausschließen, dass es damals schon Wichtigtuer gab? Und waren die "Reporter" der damaligen Zeit wirklich unvoreingenommen oder glaubten sie nur zu gerne was man ihnen erzählte?
· 6. Fazit: Darwin hat Recht. Unvoreingenommen betrachtet beweist nichts, aber auch gar nichts, die Existenz Gottes. Mag sein, dass der Glaube einigen Menschen hilft, das Leben besser zu ertragen, weil sie z.B. Trost finden in dem Glauben, ein geliebter verstorbener Mensch würde nun im Himmel weiterleben. Meine strenggläubige Großtante hat im ersten Weltkrieg im Alter von 25 Jahren ihren Mann verloren. Sie hat danach keinen Mann mehr in ihr Leben gelassen, weil sie glaubte, ihn später im Himmel wiederzutreffen und wie sollte sie ihm dann erklären, sich mit einem anderen Mann eingelassen zu haben und mit welchem der beiden Männer sollte sie dann im Himmel zusammenleben? Meine Großtante wurde 85 Jahre alt und ist aufgrund ihres Glaubens 60 Jahre ihres Lebens verkümmert. So gibt es sicherlich noch tausende von Beispielen, wo der Glaube irreparable Schäden angerichtet hat.
· 7. Mein Appell an die Menschheit: Verschreibt euer Leben nicht einer Religion, aber geht rücksichtsvoll miteinander um und achtet die Rechte der anderen. Bei vielen Antworten auf Fragen auf diesem Portal wird auf den Glauben als Grundvoraussetzung für die Erklärungen verwiesen. Hört nicht auf die Besserwisser, die in ihren Kommentaren mit Bibelversen um sich schmeißen und immer noch nicht begriffen haben, dass die Inhalte der Bibel von Menschen niedergeschrieben wurden, die glaubten mit Gott oder seinem Sohn zu kommunizieren, und somit nicht unvoreingenommen sein konnten, oder sich auf nicht mehr nachweisbare Überlieferungen gestützt haben. Seid nett zueinander.