Was ist eine Sekte?

Manchmal geht es nur um ein paar kleine Geheimnisse. Oder darum, wie man die Bibel liest. Doch spätestens dann, wenn dieser Glauben die Freiheit vertreibt, ist Kritik gefragt 

 

Allein schon der Name: „Sonnentempler“! Eine religiöse Gruppe dieses Namens machte Mitte der Neunziger Schlagzeilen. In Erwartung eines anderen, eines besseren, lichten Lebens griffen sie dem befürchteten Weltuntergang vor: Insgesamt 74 Menschen in der Schweiz, in Frankreich und Kanada legten Hand an sich selbst oder an andere. Sie taten dies in der Erwartung, der Tod sei leicht zu bewältigen, der Lohn des Sterbens ein neuer Bewusstseinszustand. 

Eine Sekte im umgangssprachlichen Sinn: eine religiöse Gruppierung, die Emotionen und Fantasie der Menschen anregte. Und ein Vorfall, der alles hatte, was Journalisten lieben: geheimnisvolle Umtriebe, gepaart mit Erlösungs- und Verschwörungsfantasien; autoritär-charismatische Führergestalten, die radikale Disziplin und Unterwerfung fordern; eine selbst gewählte Distanz zur Öffentlichkeit. So versteht man eine Sekte im landläufigen Sinne, als Gruppierung, mit der man sich als moderner, demokratisch gesinnter, religiös mündiger Mensch besser nicht einlässt. Fällt in den Medien der Begriff Sekte, dann oft in der Bedeutung:  Hier geben sich Menschen einem Irrglauben hin, der sie selbst und andere in Gefahr bringt und die Freiheitsrechte grob verletzt. Es ist ein Begriff mit klar negativer Bedeutung.

Auch die Kirchen benutzen diesen Begriff. Die lutherischen Kirchen in Deutschland veröffentlichen in regelmäßigen Abständen neue Auflagen ihres „Handbuchs Religiöse Gemeinschaften“, in dem sie auch Sekten auflisten, darunter die Neuapostolische Kirche, die Zeugen Jehovas und die (anthroposophische) Christengemeinschaft. Ganz anders als im umgangssprachlichen Sinn bezeichnet hier eine Sekte konfessionelle Unterschiede. Es geht um Differenzen in der Lehre, zum Beispiel im Verständnis des Evangeliums. Die Kirchen legen Wert darauf, dass sie das Wort rein deskriptiv, nicht wertend benutzen.

Das Bundesverfassungsgericht seinerseits entschied im Jahr 2002, dass die Osho-Bewegung (der frühere Bhagwan-Kult), die 1984 Salmonellen-Anschläge auf die Bevölkerung von The Dalles, Oregon, USA, verübte, durchaus als Sekte bezeichnet werden durfte, denn eine Abwertung sei damit nicht verbunden. Dieser Begriff, so wird schnell klar, hat sehr unterschiedliche Bedeutungen.

Die ursprüngliche reicht in die Antike zurück. Abgeleitet aus dem lateinischen „sequi“, „folgen“, ist eine Sekte nichts anderes als eine Gefolgschaft. Sekten in diesem Sinn waren religiöse, philosophische oder politische Gruppen, die sich um einen Führer scharten. Nicht zuletzt war das Christentum selbst eine jüdische Sekte, die der „Nazarener“. 

Auch der entsprechende griechische Begriff für Sekte – „hairesis“, die „Häresie“, wörtlich „Denkweise, Wahl“ – bezeichnet zunächst nur eine philosophische oder religiöse Schule, ohne sie einer pauschalen Abwertung zu unterziehen. In der Apostelgeschichte des Neuen Testaments werden so zum Beispiel wichtige jüdische Religionsparteien als häretisch bezeichnet: die der Pharisäer und der Sadduzäer. 

Zur Kriminalisierung der Sekten kam es im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Kaiser Friedrich II., Triebfeder der Inquisition, sanktionierte im frühen 13.  Jahrhundert Ketzer- und Sektierertum mit Ächtung und Tod. Sektierer waren also nicht nur theologische Irrlehrer, die die Einheit der Kirche beschädigten, sondern zugleich „Verbrecher gegen den Staat“ (Paul Tillich). In der Reformationszeit gelten als Sekten die Religionsgemeinschaften, denen die staatskirchenrechtliche Anerkennung fehlt – die also weder katholisch noch lutherisch oder, später, reformiert waren. Als das Staatskirchentum 1919 endete, gab es auch keine Sekten mehr, jedenfalls nicht im staatskirchenrechtlichen Sinne.

Zwar hält sich in der Soziologie und in der Konfessionskunde der Begriff der Sekte noch etwas, aber er verliert an Bedeutung. Es gibt sicherlich bessere Wege zu beschreiben, wie religiöse Gruppen in Spannung und Widerspruch zu ihrer Umwelt stehen. Der Begriff der Sekte wird sich wohl nie ganz aus dem Gestrüpp moralischer Werturteile befreien. So wäre es besser, ganz auf ihn zu verzichten. 

Eduard Kopp

Kurt E. Sievers
am 3. November 2009 um 00:18
Was ist eine Sekte?
Eine Sekte ist eine Gemeinschaft, die nur sich für alleinseligmachend hält.
Laßt mich ein Beispiel geben:
Claudius von Turin (Bischof von ca. 817 - 827) der, weil er sich gegen die Anbetung von Heiligenbildern und den Reliquienkult wandte, von vielen als Ketzer angesehen wurde.
Jene Leute also, die sich für Alleininhaber der Wahrheit, für Alleinseligmachend halten UND dabei von der Bibel, der Heiligen Schrift abweichen, sind Sektierer.
Denn dies ist das Buch, das alle Weisen und Klugen zum Narren macht und allein von den Albernen und Einfältigen kann verstanden werden, wie Christus sagt.
Ich bete täglich, dass mich Gott bei seinem heiligen reinen Wort erhalte. Amen.
Jürgen Sievers
am 4. November 2009 um 20:31
Was viele Sekten und Menschen gemachte Religionen gemeinsam haben, ist, da sie sich alle auf (meistens) eine Person beziehen.
Denen muß ich natürlich folgen, denn, so wie sie denken, haben sie die Wahrheit gemietet. Auf der Oberfläche sieht es alles immer glänzend aus.
Jesus sagte: " Ich bin der WEG, die Wahrheit und das Leben".
Es ist doch so einfach: ENTWEDER hat Jesus Recht UND die ANDEREN Unrecht ... oder nicht.
Bei allen Sekten ist es nur äußerlich, beim Christentum ist es innerlich.
Ich brauche mich nicht zigmal täglich nach Mekka beugen, oder die Reden von Mr. Smith anhören, oder sonstwas machen.
Es ist schon so wie Jesus es sagt (und ich bin Augenzeuge) daß nichts was der Mensch von draußen aufnimmt ihn unrein machen kann, sondern,
nur das was aus ihm selbst kommt (Markus 7: 14-16).
NUR Jesus kann mir den INNEN lebenden Heiligen Geist geben. Nur er kann meinen Namen im Buch des Lebens einschreiben. Nur er kann mir ewiges Leben geben.
Alle Sekten können das nicht.
Sieh doch mal wie es bei den Nazis war. Vieles glänzendes, doch am Ende wieder mal Krieg.
NUR ....NUR ... unter Jesus wird der Frieden ausbrechen.
Und ich werde dabei sein. Meine Sünden sind reingewaschen im Blut Christi.
Du gibst ihm alle deine Sünden und er gibt dir seine Gerechtigkeit. Jetzt kannst du vor Gott bestehen !
ALLES Menschliche ist dazu nicht fähig (Joh. 6:63).
Bruno
am 13. November 2009 um 07:29
als nicht Gläubiger Christ kann ich die
beiden Antworten der Herren Sievers
nur als Standpunkt und nicht als Erklärung
verstehen. Sind nicht gerade ihre Aussagen
wie z.B. "Jene Leute also, die sich für Alleininhaber der Wahrheit, für Alleinseligmachend halten UND dabei von der Bibel, der Heiligen Schrift abweichen, sind Sektierer" selber sektierer?
Kurt E. Sievers
am 13. November 2009 um 08:04
Was ist eine Sekte?
Ja Bruno, so kann man es natürlich auch sehen, wenn nicht die Grundlage unserer Aussage die Heilige Schrift ist.
Als Atheist kannst du die Aussagen verstehen wie du willst, denn - und das sagst ja ehrlich - du bist ja kein Christ; folgernd hat die Bibel keine Relevanz für dich. Wenn du mich dann als Selektierer, statt Sektierer halten würdest hättest du Recht.
Aber unsere Grundlage ist die Heilige Schrift; die du ja - wie du es selber sagst - nicht akzeptierst.
Jeder darf hier in Deutschland seine Meinung frei äußern. Noch. Denn wer bestimmt die politische Diskussion unserer Tage? Die Bibel und der Wille Gottes sind es jedenfalls nicht.
Was haben wir, was wir nicht empfangen haben vom Herrn?
Jürgen Sievers
am 13. November 2009 um 11:40
Ja, Bruno. Zwei Dinge sind Voraussetzungen.
1. Es gibt einen Gott der Bibel
2. Die Bibel ist Gottes Wort (2 Tim 3:16 und 2 Petrus 1:20)
Ohne dieses wird Gott nicht in dir arbeiten und sich offenbahren.
Eine Frage: Könnte Gott dich einen halben Meter über der Erde halten für einen Monat und Vögel schicken mit Essen im Mund für dich ?
Kurt seine Antwort weiß ich jetzt schon.Deine nicht.
AUSSER ..... das du von Neuem geboren bist passiert NICHTS.
ALSO: Zweimal geboren, ein Mal sterben.
Folglich: Einmal geboren, zwei Mal sterben.
Diskutieren hilft hier nicht.
Akzeptieren aber hilft !
Der Glaube entsteht indem man die Botschaft (Gute Nachricht) hört (Röm. 10:17).
Sollst mal seh'n wie's dir wie die Schuppen von den Augen fällt.
Herold
am 24. November 2009 um 21:15
Eine Sekte ist eine Absplitterung vom Leib. Ein Sektor. Es gibt Christen. Es gibt eine einzige universelle Gemeinde, die sich örtlich formieren kann. Die Gemeinde hat kein Sonderbekenntnis. Sie ist die Ekklesia = Herausgerufene, des Herrn Jesus. Sie ist seine Braut. Die Sekten spalten sich von ihr ab indem sie sich einen Namen machen. ZB. katholisch, evangelisch, baptistisch, methotistisch usw. Meistens sind diese Sekten auch noch registriert, was sie dann dazu auch noch zu Huren macht. Sie spreizen ihre Beine vor dem Staat. Damit sind sie Babel. Von dort haben Heilige schleunigst auszugehen, damit sie nicht mitschuldig werden.
Markus Schneiter
am 18. März 2010 um 13:35
Der Begriff Sekte wird hier in erster Linie in Zusammenhang mit christlichen Gemeinschaften diskutiert. Herr Kopp lehnt die Verwendung des Begriffes generell ab. Ich denke jedoch, dass es ein Wort geben muß, welches autoritäre Irrlehren beim Namen nennt bzw. auch für den Durchschnittbürger mit einem eingängigen Wort in ihrem Wesen identifiziert. Ich denke hier besonders an Satanisten, die sich gerade in meiner Region erschreckend ausgebreitet haben. Mit welchem Wort soll man sie in der Öffentlichkeit bezeichnen? Der Begriff Satanisten erscheint mir untauglich, weil Satanismus für viele Menschen eher in den Bereich des Okkulten gehört und es für die meisten Menschen nicht vorstellbar ist, dass sich so etwas in ihrer unmittelbaren Umgebung ausbreitet. Hingegen bezeichnet der Begriff Sekte - wenn auch recht oberflächlich - sehr anschaulich wesentliche Merkmale der satanistischen Gemeinschaften.

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