Ist der christliche Gott „lieb“?

Und der jüdische Gott etwa weniger? Da wäre zum Beispiel die Sache mit der Beschneidung. Und all die Drohungen mit Rache und harten Strafen

 

„Gelobt seist du, Ewiger, unser Gott, König der Welt, der uns geheiligt durch deine Gebote und uns die Beschneidung befohlen", sagt der Mohel. Vor ihm liegt ein festlich gekleidetes Baby mit offener Windel. Mit einer Art Kamm zieht der rituelle Beschneider die Vorhaut des Achttägigen hoch, ein kleines Schild schützt seine Eichel. Zipp – ein scharfes Messer trennt den winzigen Hautfetzen ab. Das Baby schreit aus Leibeskräften.

Nein, grausam ist die Beschneidung nicht. In den USA lassen viele Eltern ihre Jungen aus hygienischen Gründen beschneiden, etwa um Eichelentzündungen vorzubeugen. Das jüdische Beschneidungsgebot geht dagegen auf die Bibel zurück (1. Mose 21,1–4). Wer das Gebot hält, bekennt seine Zugehörigkeit zum Volk Israel. Die ist entscheidend und damit wichtiger für einen Juden als sein Gottesglaube. Juden sehen sich als Volk an, als eine Art Schicksalsgemeinschaft – auch wenn sie im ethnischen Sinn eine Vielvölkergemeinschaft aus Orientalen, Europäern, Nordafrikanern, Äthiopiern und anderen bilden.

Christen sehen sich als Glaubensgemeinschaft, als Gemeinschaft von Gleichgesinnten. Formale Riten wie Beschneidung halten sie für nicht notwendig. Was sie zelebrieren, trägt die christliche Botschaft quasi in sich: Die Taufe als Reinigungs- und das Abendmahl als Gemeinschaftsritus vergegenwärtigen die Botschaft von Gottes Güte. Diese Botschaft ist für Christen so zentral, dass manche nur noch vom „lieben Gott" sprechen. Andere trösten sich mit kitschigen Jesusbildchen und mögen sich einen grausamen Gott gar nicht mehr vorstellen.

Christen wie Juden wissen, dass Menschen, die harte Schicksalsschläge erleiden, Gott als grausam erleben. Dennoch glauben Christen, Gott zeige in Jesus Christus sein wahres, freundliches Wesen. Für viele Juden ist so eine Lehre zu spekulativ: Warum sollte man Gott für gütig halten, wenn er einem gerade übel mitspielt?

Das von Christen oft geäußerte Vorurteil, sie selbst predigten Nächsten- und Feindesliebe, während im Judentum Rache verlangt werde, geht auf eine Fehldeutung von Matthäus 5,38 zurück: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Ich aber sage euch, dass ihr euch dem Bösen nicht widersetzen sollt. Sondern wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem halte auch die andere hin." In diesem Vers der Bergpredigt grenzt sich Jesus von den Bibeldeutungen seiner Zeitgenossen ab. Jesus grenzte sich nicht vom heutigen Judentum ab. Das gab es damals noch gar nicht – so wenig wie das heutige Christentum.

Das talmudische Judentum und das Christentum gingen vor 2000 Jahren aus derselben Religion hervor, der spätantiken israelitischen Glaubensüberlieferung. Historisch betrachtet sind sie Schwesterreligionen. Beide berufen sich auf die Schriften des Alten Testaments, die sie jedoch von Anfang an unterschiedlich auslegten.

Die überwiegende Mehrheit der Juden und Christen zieht die aufgeklärte der fundamentalistischen Bibeldeutung vor. Gewiss, laut Thora (den fünf Büchern Mose) droht Gott mit Strafgerichten und wüsten Bestrafungen. Die Erzählung, wie Gott den Pharao samt Streitmacht im Roten Meer versinken lässt, ist rabiat. Ebenso rabiat ist die Drohung im Neuen Testament, jemand, der seinen Bruder „Du Wahnsinniger" nenne, müsse ins höllische Feuer (Matthäus 5,22). In solchen Drohungen und Gewaltszenarien spiegeln sich die Vorstellungen früherer Generationen von gerechter Strafe und Denkzettelpädagogik wider, nicht aber die Auffassung heutiger Gläubiger.

Beide Religionen haben sich weiter- und dabei stark auseinanderentwickelt. Selbstverständlich unterscheiden sich daher etliche ihrer Wertvorstellungen. Christen wollen besonders friedfertig sein, Juden halten sich eher für pragmatisch. Christen meinen, dass religiöse Menschen nach Vergebung und Nächstenliebe streben müssen. Juden haben die bittere Erfahrung gemacht, dass Christen diesem Anspruch allzuoft zuwiderhandelten.

In der Bergpredigt sagt Jesus: „Zieh zuerst den Balken aus deinem Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst!" (Matthäus 7,5) Jesus empfiehlt Demut statt Überheblichkeit. Diesen Vers darf man gern als Empfehlung für den jüdisch-christlichen Dialog verstehen. Wer neugierig und ohne Arroganz auf den anderen zugeht, wird nicht nur Erstaunliches über ihn lernen, sondern auch über sich selbst.

Burkhard Weitz

Patrick
am 3. März 2010 um 18:20
Der Text beantwortet die Frage in keinster WEise. Er macht nur die historischen Unterschiede zwischen dem Judentum und dem Christentum klar, was eig. schade ist, weil gerade diese Frage eine sehr wichtige, wenn nicht sogar die wichtigste ist.
Jürgen
am 7. März 2010 um 04:41
Ist Gott lieb ?
Er ist nicht nur lieb, sondern er ist die LIEBE selbst.
Gott ist Liebe !
Gottes Liebe zu uns ist für alle sichtbar geworden, als er seinen einzigen Sohn in die Welt sandte, damit wir durch ihn leben können.
Das Einzigartige an dieser Liebe ist: Nicht wir haben Gott geliebt, sondern er hat uns seine Liebe geschenkt. Er gab uns seinen Sohn, der alle Schuld auf sich nahm, um uns von unserer Schuld freizusprechen.
Vergessen wir nicht: Auch wir wussten es früher nicht besser. Wir waren Gott ungehorsam, kannten den richtigen Weg NICHT und wurden von allen möglichen Wünschen und Leidenschaften beherrscht. Bosheit und Neid bestimmten unser Leben. Wir hassten alle, und alle hassten uns.
Aber dann wurde die Liebe und Güte Gottes, unseres Befreiers, sichtbar. Er rettete uns — NICHT, weil wir etwas geleistet hätten, womit wir seine Liebe verdienten; NEIN, seine Barmherzigkeit hat uns durch eine neue Geburt und die Taufe zu neuen Menschen gemacht. Das wirkte der Heilige Geist, den Gott uns durch unseren Retter Jesus Christus in reichem Maße geschenkt hat.
So sind wir ALLEIN durch seine unverdiente Güte von aller Schuld befreit und warten voller Hoffnung auf das ewige Leben, das wir als seine Kinder erben werden. Darauf können wir vertrauen
```````````````````````````````````````````````````````
ALLES was hier oben geschrieben wurde ist aus der Bibel UND ICH bin ein Augenzeuge und Empfänger dessen.
ALLEIN Gott in der Höh' sei Ehr und Dank für seine Gnade, darum daß nun und NIMMERMEHR mich rühren kann KEIN Schade.
Danke Gott !!!
Franz Josef Neffe
am 18. März 2010 um 22:52
Was man glaubt und was man zu glauben glaubt sind ganz offenbar zwei Paar Stiefel, die gern miteinander verwechselt werden. Und was man andere davon glauben macht, ist nochmals eine andere Sache. Dazu käme noch das, was man glaubt, das andere zu glauben hätten, denn: der gute Mann denkt an sich selbst zuletzt - und folglich an alle anderen zuerst.
Als Ich-kann-Schule-Lehrer untersuche ich die praktischen Folgen von dem, was Kinder und Erwachsene glauben bzw. zu glauben glauben. Immer wenn es so nicht geht, wie man sie zu glauiben gelehrt hat, korrigieren oder stärken sie nicht ihren Glauben sondern sie WOLLEN noch mehr. Sie strengen sich an, geben sich Mühe, lassen nicht locker. Infolgedessen sind sie dann angestrengt, voll Mühe und verspannt. Und in dem Stress haben sie auf´s Glauben ganz vergessen. Sie müssen sich ablenken, damit sie wieder etwas lockerer werden, und dann wollen sie mit dem Kopf wieder durch die Wand. Es ist grob faszinierend, welchen Umgang mit dem Glauben wir treiben.
Wenn wir uns gerade wieder mal die Birne angerannt haben, dann hat uns Gott übel mitgespielt, und wenn die andern sich die Birne anrennen und wir schauen zu, dann ist Gott lieb, weil er uns "panem et circenses" gewährt.
Tja, ist der liebe Gott christlich? Ist der christliche Gott lieb? Ist es unsere Aufgabe, das zu entscheiden? Grüß Gott!
Franz Josef Neffe
Jochen
am 21. März 2010 um 03:13
Oh schau doch mal was der liebe Gott schreibt:
1. Korinther 1:19 ....
Denn Gott spricht in der Heiligen Schrift:
Bei mir zählt nicht die Weisheit der Welt, nicht die Klugheit der Klugen. Ich werde sie verwerfen.
Was aber haben sie dann noch zu sagen, all diese Philosophen, die Kenner der heiligen Schriften, die redegewandten Leute dieser Welt? Hat Gott ihre Weisheiten nicht als Unsinn entlarvt? Denn Gott in seiner Weisheit hat es den Menschen unmöglich gemacht, mit Hilfe ihrer ------eigenen Weisheit----- Gott zu erkennen. Stattdessen beschloss er, alle zu retten, die einer scheinbar so unsinnigen Botschaft glauben.
UND
deshalb dürfen wir uns alle freuen auf Hebräer 9:27
DAS wird kein Zirkus sein !
Marcel Haldenwang
am 30. März 2010 um 12:17
Die Ausführungen in der Rubrik „Religion für Einsteiger“ verwundern mich immer wieder aufs Neue und ich bin zunehmend dankbar, dass mein Fundament in derart wichtigen Fragen andere gelegt haben als die Autoren der Zeitschrift „Chrismon“.
Noch bevor ein theologischer Erklärungsversuch auch nur versucht wird, wird hier der (vermeintliche) Widerspruch zwischen dem Gottesbild des AT und dem des NT historisch-kritisch versucht zu erklären, u. a. mit der Feststellung, die Religion des alten wie neuen Testaments habe sich inzwischen weiterentwickelt, es handle sich um eine veraltete „Denkzettelpädagogik“, über die der moderne Mensch längst hinaus sei. Wenn das die maßgebliche „aufgeklärte“ Bibeldeutung ist, dann gnade uns Gott ... Im folgenden soll der Versuch einer hier abwertend „fundamentalistisch“ genannten Bibeldeutung versucht werden, d. h. einer Deutung, die den Selbstanspruch der Bibel, Gottes autoritatives Wort zu sein, nicht mit einer Handbewegung beiseite schiebt, sondern ernst nimmt.
Zunächst einmal ist festzustellen, dass sich Gott auch im Alten Testament schon als der Barmherzige offenbart hat, etwa gegenüber Mose: „HERR, HERR, Gott, barmherzig und gnädig, langsam zum Zorn und groß an Güte und Wahrheit, der Güte bewahrt auf Tausende hin, der Ungerechtigkeit, Übertretung und Sünde vergibt – aber keineswegs hält er für schuldlos den Schuldigen“ (2. Mo 34, 6 f.). Andererseits ist auch nicht zu übersehen, dass sich Gott sehr wohl auch im Neuen Testament als der offenbart, der Licht, d. h. heilig und gerecht ist (vgl. z. B. 1. Joh 1, 5); auch das NT kennt eben keinen „lieben“ Gott, der über Sünde nachsichtig hinweggehen könnte. Gottes Heiligkeit und seine Barmherzigkeit schließen sich seit Golgatha aber nicht mehr aus, wie Römer 3 zeigt. Indem Gott das Gericht über die Sünde und die Sünden an einem Stellvertreter vollzog, seinem eigenen Sohn, kann er nun denen, die glauben, Barmherzigkeit erweisen, ohne dass dabei seiner Gerechtigkeit Abbruch getan würde. Sie wird im Gegenteil gerade erwiesen, wenn er den rechtfertigt, „der des Glaubens an Jesus ist“ (Röm 3, 26). Was uns Menschen so schwer fällt, wie jeder aus eigener Erfahrung weiß, der sich schon mal in erzieherischer Hinsicht versucht hat, nämlich Liebe und Strenge richtig auszutarieren: in der Person von Jesus sind diese Widersprüche aufgehoben. Johannes bringt das so auf den Punkt: „Denn das Gesetz wurde durch Mose gegeben; die Gnade und die Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“ (Joh 1, 17). Während der Blick zur Sonne, wenn sie im Zenit steht, zur Erblindung führt, kann der Betrachter gefahrlos in sie schauen, wenn sie sich blutrot zur Erde neigt. So verhält es sich mit Gott, der ein unzugängliches Licht bewohnt (1. Tim 6, 16), sich aber in der Person seines Sohnes und dessen Opfertod gnädig zum Menschen herabneigt.
Marcel Haldenwang
Kurt E. Sievers
am 1. April 2010 um 17:09
Der Herr blickt vom Himmel herab auf die
Menschen.
Ob einer da ist, will er sehen, einer der
Verstand hat undnach ihm fragt.
Doch alle sind sie von ihm abgefallen,
verkommen sind sie, einer wie der andere,
keiner von ihnen tut das Rechte, nicht
einmal einer!
Also: Es ist alles Gnade.

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