Kaufe: Solarworld

Ganz klar, hätte ich vor vier, fünf Jahren Aktien von Solarworld gekauft - ich wäre nun vielleicht reich. Habe ich aber nicht. Schade, denn die Aktie, die zeitweise kaum mehr als fünf Euro gekostet hat, war zeitweise über 45 Euro wert. Heute kostet sie 30,60 Euro das Stück. Das ist auch der Grund, warum ich zuschlage: Der Wert ist etwas korrigiert worden, war vielleicht überbewertet. Und vor allem: Die Novelle des Eneuerbare-Energien-Gesetzes ist so gut wie durch. Was man so hört, bleiben Vergütungen von Strom aus Solaranlagen weiterhin verlässlich hoch. Diese Technik, mit der ich große Hoffnungen verbinde, wird sich in Ruhe durchsetzen können. Hoffe ich. Und wenn er der Export greift! Wenn erst sonnenreiche Länder - in Zeiten der knapper und teurer werdenden fossilen Brennstoffe - deutsche Solarprodukte kaufen, dann müsste es doch richtig losgehen.

 Also, ich ordere 1000 Stück in mein Spieldepot und richte bei google einen google-Alert ein. Stichwort "Solarworld". Ich will ja wissen, was mit dem Unternehmen passiert, an dem ich nun Anteile besitze.

 

 

 

 


Meine Anlagekriterien

Durch die Teilnahme am Börsenspiel habe ich jetzt gelernt, dass ich mir Kriterien setzen muss, die für meine Anlagestrategie gelten sollen. Und zwar einerseits Ausschlusskriterien. Das sind Kriterien, die den Ausschluss einer Anlageoption zur Folge haben. Und andererseits Positivkriterien, also ganz konkrete Dinge, die ich mit meinem Kapital unterstützen möchte. Beides zusammen ergibt das Anlageuniversum. Ein schönes Wort!

Meine Negativkriterien:

  1. Kein Investment in Unternehmen, die Kinder beschäftigen (Kinderarbeit)
  2. Kein Investment in Unternehmen, die nachweislich die Rechte der Beschäftigten missachten
  3. Kein Investment in Unternehmen, die das Wohlstandsgefälle zwischen "Nord und Süd" bewusst ausnutzen (konkret: Abwanderung von Unternehmen in Weltregionen mit niedrigem Lohnniveau und geringer Organisation der Arbeitnehmer)
  4. Kein Investment in Unternehmen, die den Grundsatz der Gleichberechtigung zwischen Männern und Frauen (z.B. im Hinblick auf Karrierechancen und Bezahlung) offensichtlich vorsätzlich missachten oder ignorieren
  5. Kein Investment in Unternehmen, die im Zuge der Auftragsvergabe durch Korruption auffallen
  6. Kein Investment in Unternehmen, die Rüstungsgüter herstellen (auch wenn es nur Teilkomponenten sind) und/oder vertreiben
  7. Kein Investment in Unternehmen, die atomare Energie gewinnen und/oder Güter zur Gewinnung von Atomenergie herstellen oder vertreiben
  8. Kein Investment in Unternehmen, die aus fossilen Energieträgern (insbesondere Kohle und Öl) Energie gewinnen
  9. Kein Investment in Kreditinstitute, die nachweislich Unternehmen mit Kapital ausstatten, die unter die Punkte 1 bis 6 fallen
  10. Kein Investment in Unternehmen der Automobilindustrie (allerdings: damit soll kein genereller Ausschluss gemeint sein)

Meine Positivkriterien:

  1. Mein Investment soll Unternehmen unterstützen, die ihre Mitarbeiter fair behandeln, ihnen Mitsprache und Mitbestimmung einräumen und den Grundsatz der Gleichberechtigung aktiv "leben"
  2. Mein Investment soll Unternehmen unterstützen, die ihre Grundsätze und Werte auf ausländischen Märkten so umsetzen wie auf dem EU-Markt
  3. Mein Investment soll Unternehmen unterstützen, die Lösungen und Technologien bereit stellen, die Umweltprobleme lindern und lösen. Dies gilt insbesondere für die Lösung des drohenden, durch menschliche Aktivitäten verschärften Klimawandels
  4. Mein Investment soll Unternehmen unterstützen, die Forschung, Entwicklung und Verbreitung regenerativer Energieträger vorantreiben. Dazu zählen: Wind, Sonne, Biomasse, Biokraftstoffe, Erdwärme, Wasserkraft.
  5. Mein Investment soll Automobilhersteller und -zulieferer unterstützen, die alternative und nicht-fossile Antriebe erforschen und vertreiben
  6. Mein Investment soll Unternehmen unterstützen, die Alternativen zur Automobilität bieten (Bus, Bahn, Rad)

Daraus wird nun bald mein Anlageuniversum, das ich dann hier begründen werde. Bis dahin freue ich mich auf Anregungen und Kritik zu meinen Kriterien!

Was so alles in einem Fonds steckt

Super, es hat geklappt: Ich darf nun bei einem Börsenspiel dabei sein, das schon einige Zeit läuft. Als gutes Zeichen werte ich: Bislang haben die Teilnehmer mit nachhaltigen Anlagen Kursgewinne erzielt, die über der Zuwachsrate des Deutschen Aktienindexes lagen, kurz "DAX". Ich merke übrigens beim Wörtlein "DAX" gerade: In den kommenden Wochen werden mich viele Abkürzungen begleiten, die ich hier immer kurz erklären will.

Hier kommt gleich die nächste Abkürzung, ohne die nichts geht: WKN. Das steht für Wertpapierkennnummer. Jede in Deutschland gehandelte Aktie, jeder zugelassene Fonds trägt eine solche Nummer. Auch Swisscanto Equity Green Invest A, jener Fonds, den mir die Sparkasse verkaufen wollte. Er trägt die WKN 921135. Aber: Ich werde ihn nicht kaufen, denn mir sagt die Strategie nicht zu. Es ist nämlich so, dass der Anbieter die zehn größten Positionen auflistet, das heißt jene Unternehmen, an denen sich der Fondsmanager beteiligt. Und in dieser Liste tauchen Firmen wie Unilever auf. Ein riesiger Konzern, der nach eigenen Angaben ein Spektrum von der Suppe bis hin zur Körperlotion produziert. Ob dabei alles nachhaltig ztugeht? Kaum zu überprüfen. Ich halte Ausschau nach Anlagemöglichkeiten, die ich genauer durchschauen kann.


Es tut sich was...

...mit einem Tag Verspätung melde ich mich wieder! Gestern war ich zurück in der Frankfurter Redaktion, es war sehr viel los, das hat mich davon abgehalten, den Swisscanto-Fonds näher zu beleuchten. Tut mir leid! Auch heute kam ich nicht dazu, ganz sicher aber morgen!

Trotzdem tut sich etwas: Das Evangelische Dekanat Alsfeld hat sich bei mir gemeldet. Dort spielen 40 Menschen bei einem Börsenspiel mit. Es geht ihnen - wie mir - darum, nachhaltig zu investieren. Und zwar Spielgeld. Für mich ist das ideal, denn so kann ich Erfahrungen sammeln. Vielleicht schon morgen erfahre ich, ob ich mitspielen darf...


Bei der Bank...

Ich komme gerade von der Bank. Ganz bewusst habe ich mir eine Allerweltsbank ausgesucht, die sehr viele "ganz normale Kunden" hat. Namen möchte ich nicht nennen, aber es sei verraten, dass diese Bank suggeriert, etwas mit Sparsamkeit zu tun zu haben....

Vielleicht lag es an meinem Äußeren (sportliche Radfahrerkleidung) und an dem mit Gepäck beladenen Fahrrad, das ich direkt vor der Tür abstellte (ich gehe heute auf große Tour) - jedenfalls blickten mich die Mitarbeiter zunächst skeptisch an. Ich sprach einen jungen Berater an.

 "Ich suche Informationsmaterial Ihrer Bank zum Thema nachhaltiges, ethisches Investment. Können Sie mir bitte helfen?"

"Sie wollen ein Beratergespräch?", erwiderte er.

"Nein, ich möchte zunächst nur Informationen, Prospekte und ähnliches", antwortete ich.

"Konkretes Material dazu habe ich leider nicht", sagte er.

Dann entstand eine längere Pause, ehe der Berater sich zu erinnern meinte, dass er da mal was gehört hätte, "vor ein, zwei Jahren". Dann ging er doch noch an seinen Computer - und siehe da: Das Thema Nachhaltigkeit ist bei einer Allerweltsbank angekommen, und zwar sogar in der Filiale der kleinen schleswig-holsteinischen Stadt, in der ich mich gerade aufhalte. Wenn auch nur auf Nachfrage. Und allzu oft scheint das Angebot auch nicht nachgefragt zu werden, denn um Näheres zu erfahren, bedürfe es eines Beratungsgesprächs, beschied mir der junge Mitarbeiter höflich. Dazu wird es hier nicht mehr kommen - ich gehe ja heute auf Tour. Aber: Ich habe eine erste Spur.

Der Fonds heißt übrigens "Swisscanto" ( http://fonds.onvista.de/portrait.html?ID_INSTRUMENT=92953 ). Im letzten Jahr hätte ich damit einen Verlust von mehr als 16 Prozent eingefahren. Hätte ich allerdings vor drei Jahren Anteile gekauft, läge meine Rendite - über diesen längeren Zeitraum gesehen - bei über 30 Prozent! Es stimmt wohl: Man braucht Geduld an der Börse, auf schnelles Geld darf ich nicht hoffen. Und man darf nicht nervös werden, wenn es mal abwärts geht.

Worin der Fonds genau investiert, habe ich auf die Schnelle nicht herausfinden können. Im Internet heißt es: "Die Anlagen erfolgen weltweit in Aktien von Unternehmen, welche den Grundsätzen der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit Folge leisten." Puh, ziemlich schwammig! Das will ich dann doch genauer wissen.

 Mehr dazu am kommenden Dienstag!


Über Zweifel - und Chancen

Hui, wie schön, der erste Kommentar hat mich bereits erreicht! Danke!

Er befasst sich mit einem Thema, das mich im Vorfeld dieses Blogs schon häufig beschäftigt hat: "arbeitslos erworbenes Vermögen". Damit sind keine Menschen ohne Arbeit gemeint, sondern solche, die unheimlich viel Geld haben - durch Fleiß erworben, von den Großeltern geerbt etc. Auf jeden Fall haben sie so viel Geld, dass sie es als Investment für sich arbeiten lassen können, ohne selbst noch einen Finger zu krümmen. Ich habe einmal gelesen, dass Investoren, die in den achtziger Jahren Geld an der Börse abgelgt habe, eine ungeheuer hohe Rendite erzielt haben - trotz aller Kurseinbrüche wie zum Beispiel am 11. September. Ich finde das bedenklich. Und irgendwie ungerecht. Denn es bedeutet: Wer in den 80ern clever und reich war, ist nun noch reicher. Menschen, denen es mangels Masse an dieser Möglichkeit gemangelt hat, sind weiter auf Erwerbsarbeit angewiesen - und die ist seitdem eher knapper geworden.

Aber trotz aller Zweifel: Bis zum jetzigen Stand der Geschichte hat sich das marktwirtschaftliche System als die effizienteste Ordnung erwiesen. Die kalte Logik dieses Systems macht auch mir Angst. Aber gibt es eine Alternative? Ich denke, Sie kann nur darin bestehen, dass man Einfluss auf das Kapital nimmt; dass man vorangeht und zeigt: Man kann mit gutem Gewissen Geld verdienen. Ich denke, es gibt viele Menschen, die ein Interesse daran haben und die auch auf ein paar Prozentpunkte an Zinsen - also Risikoabsicherung - verzichten würden. Werden es immer mehr, wird sich "das System" als Ganzes ändern müssen.

Leider steckt der Teufel im Detail: Ich wollte heute in einer stinknormalen, regionalen Tageszeitung des Kurs von Ökofonds recherchieren. Ist mir nicht gelungen. DWS, Gerling und und und - alle möglichen Anbieter waren sie aufgelistet. Für mich war nichts dabei. In den nächsten Tagen werde ich mal ein paar Bankfilialen aufsuchen. Vielleicht werde ich dann schlauer sein...


Ich fange jetzt endlich an!

Dieser Selbstversuch beginnt mit einem ehrlichen Geständnis: Wenn ich zur Tageszeitung greife, lese ich zuerst den Sportteil. Dann das Feuilleton. Und wenn mich der Mut nicht verlassen hat, kommt noch der Politikteil. Anschließend bin fertig mit der Welt. Für den Wirtschaftsteil reicht es nur noch ganz, ganz selten. Für diese langweiligen Zahlenkolonnen im Finanzteil, für die trockenen Berichte über irgendwelche Aktiengesellschaften, über Manager, die keiner kennt – nein, dafür war mir meine Lebenszeit zu schade, ehrlich gesagt.

Aber ich ahne: Das ist ein großer Fehler. Der Chor der Menschen, die mir das „Ohne Vorsorge ist deine Rente nie im Leben sicher-Lied“ vorsingen, ist nicht mehr zu überhören. Ich muss etwas tun. Aber was?

Geld beiseite legen, am Wachstum der Wirtschaft profitieren – das geht mit Aktien und durch Teilhabe an Fonds. Soweit reicht mein Wissen gerade noch. Aber was genau geschieht mit meinen Einlagen. Wer profitiert davon?

Ich meine, die Rechnung ist doch einfach: In Deutschland arbeiten fast 40 Millionen Menschen. Nehmen wir an, jede und jeder von denen zahlt im Monat nur zehn Euro in irgendeinen Fonds. Das sind im Monat 400 Millionen Euro! Sind  4,8 Milliarden Euro pro Jahr, und das nur, weil alle brav Altersvorsorge betrieben haben.

Aber was geschieht mit all dem Geld? Wandert es in die Rüstungsindustrie? Hilft es Firmen, die Kinder für sich arbeiten lassen? Werden davon Atomkraftwerke gebaut? Oder Dreckschleudern, die ohne Ende Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten?

All das sind Dinge, die ich nicht will. Ich will ein ethisches, nachhaltiges, ökologisch korrektes Investment. Denn vielleicht ist es ja so: Nichts verändert die Welt mehr als das Geld. Ich fange jetzt damit an und freue mich auf Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik!

Bis bald!



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