Ich fange jetzt endlich an!

Dieser Selbstversuch beginnt mit einem ehrlichen Geständnis: Wenn ich zur Tageszeitung greife, lese ich zuerst den Sportteil. Dann das Feuilleton. Und wenn mich der Mut nicht verlassen hat, kommt noch der Politikteil. Anschließend bin fertig mit der Welt. Für den Wirtschaftsteil reicht es nur noch ganz, ganz selten. Für diese langweiligen Zahlenkolonnen im Finanzteil, für die trockenen Berichte über irgendwelche Aktiengesellschaften, über Manager, die keiner kennt – nein, dafür war mir meine Lebenszeit zu schade, ehrlich gesagt.

Aber ich ahne: Das ist ein großer Fehler. Der Chor der Menschen, die mir das „Ohne Vorsorge ist deine Rente nie im Leben sicher-Lied“ vorsingen, ist nicht mehr zu überhören. Ich muss etwas tun. Aber was?

Geld beiseite legen, am Wachstum der Wirtschaft profitieren – das geht mit Aktien und durch Teilhabe an Fonds. Soweit reicht mein Wissen gerade noch. Aber was genau geschieht mit meinen Einlagen. Wer profitiert davon?

Ich meine, die Rechnung ist doch einfach: In Deutschland arbeiten fast 40 Millionen Menschen. Nehmen wir an, jede und jeder von denen zahlt im Monat nur zehn Euro in irgendeinen Fonds. Das sind im Monat 400 Millionen Euro! Sind  4,8 Milliarden Euro pro Jahr, und das nur, weil alle brav Altersvorsorge betrieben haben.

Aber was geschieht mit all dem Geld? Wandert es in die Rüstungsindustrie? Hilft es Firmen, die Kinder für sich arbeiten lassen? Werden davon Atomkraftwerke gebaut? Oder Dreckschleudern, die ohne Ende Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten?

All das sind Dinge, die ich nicht will. Ich will ein ethisches, nachhaltiges, ökologisch korrektes Investment. Denn vielleicht ist es ja so: Nichts verändert die Welt mehr als das Geld. Ich fange jetzt damit an und freue mich auf Ihre Kommentare, Anregungen und Kritik!

Bis bald!

Erfahrungsreporter
am 9. Juni 2008 um 15:01
Die Grundidee, ein Investment nachhaltig zu gestalten ist sinnvoll, die Umsetzung jedoch häufig fraglich.
Im Kleinen gedacht funktioniert die Mehrung des Geldes in etwa so: der reiche Mann, der 1000 Euro über hat, gibt es dem kleinen Mann, der unbedingt Geld braucht, weil er keins hat. Der reiche Mann bekommt als Belohnung einen Zins, sagen wir 3%. Diesen Zins muss der kleine Mann zahlen, weil er eben nichts hat. Da der große Mann aber sein Geld mehren will, reichen ihm 3% nicht aus, er will mehr. Jedes mal etwas mehr. Dies ist auch beim ethisch-ökologischen Investment nicht anders. Der, der Geld hat, will mehr (siehe Motivation dieses Selbstversuches); der ohne, muss mehr abdrücken.
Da dieses auch beim nachhaltigen Wirtschaften (wo lediglich die Kreditnehmer anders ausgesucht werden) mit Moral nicht mehr viel zu tun hat, erinnere ich gerne an das biblische Zinsverbot, welches heute nur noch wenigen Christen ein Begriff ist.
Aber vielleicht helfen solch kapitalistisch-populistische Geld-Mehrungsversuche, die Anzahl der Menschen, die über den Sinn des Geldes nachdenken, zu mehren.

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